Balkonkraftwerk-Speicher im Winter: Akku, Ertrag, Pflege

Warum der Akku von November bis Februar kaum lädt, was die Elektronik selbst verbraucht, wann Abschalten sich rechnet und wie ein Speicher richtig überwintert.

Speicher Veröffentlicht am 8 Min. Lesezeit

Im Sommer füllt sich der Speicher jeden Mittag und trägt den Haushalt durch die Nacht. Ab November bleibt der Ladestand in der App auffällig oft dort stehen, wo er am Vortag war. Der Grund liegt selten am Gerät, sondern in einer Rechnung, die im Winter kippt: Die Module liefern weniger, als der Haushalt in denselben Stunden ohnehin verbraucht.

Warum der Speicher im Winter leer bleibt

Ein Balkonspeicher lädt aus dem Überschuss, also aus dem Teil der Erzeugung, den der Haushalt gerade nicht braucht. Im Sommer ist dieser Überschuss groß: Mittags liefern die Module 600 bis 800 Watt, während Kühlschrank, Router und Standby-Geräte zusammen vielleicht 120 Watt ziehen. Alles darüber wandert in den Akku.

Im Dezember dreht sich das Verhältnis. Ein Set mit 900 Wp erzeugt an einem mittleren Dezembertag 0,7 bis 0,9 Kilowattstunden, verteilt auf gut acht Stunden Helligkeit. Das entspricht einer mittleren Leistung von rund 100 Watt. Die Grundlast einer Wohnung liegt in genau derselben Größenordnung. Der Speicher bekommt schlicht nichts angeboten.

Zwei Tagesverläufe nebeneinander, Erzeugung in Watt über der Tageszeit. Links ein Junitag: die Erzeugungskurve steigt ab 6 Uhr an, erreicht mittags rund 700 Watt und liegt von 9 bis 17 Uhr weit über der waagerechten Grundlastlinie bei 120 Watt. Die Fläche zwischen beiden Linien ist groß und als Ladefenster für den Speicher hervorgehoben. Rechts ein Dezembertag: die Kurve beginnt erst gegen 8:30 Uhr, erreicht mittags nur rund 220 Watt und schneidet die Grundlastlinie zweimal. Das verbleibende Ladefenster ist ein schmaler Streifen zwischen etwa 11 und 14 Uhr. Zusätzlich ist am Vormittag ein grauer Bereich markiert, in dem das Batteriemanagement das Laden wegen Zelltemperaturen unter null Grad sperrt.

Im Dezember bleibt vom Ladefenster ein schmaler Streifen um die Mittagsstunden, und die Frostsperre schneidet davon oft den Vormittag ab.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, der genau in dieselbe Richtung wirkt: die Ladesperre bei Frost. Lithium-Eisenphosphat-Zellen dürfen unter 0 °C nicht geladen werden, und das Batteriemanagement setzt das durch. An einem klaren Januartag mit Nachtfrost fällt der Vormittag damit als Ladezeit aus, also genau die Stunden, in denen ohnehin nur wenig zusammenkommt. Welche Geräte welche Grenzen haben und welche eine Zellheizung mitbringen, steht im Artikel über den Balkonkraftwerk-Speicher im Freien.

Die Winterbilanz in Zahlen

Die folgende Modellrechnung nimmt ein verbreitetes Set an: 900 Wp senkrecht am Geländer, 2,0 kWh Speicher, ein Zweipersonenhaushalt mit 120 Watt Grundlast.

MonatErzeugungTagesverbrauch in den SonnenstundenÜberschuss für den Speicher
Juni100 kWhrund 30 kWhrund 70 kWh
September62 kWhrund 29 kWhrund 33 kWh
November35 kWhrund 29 kWhrund 6 kWh
Dezember27 kWhrund 30 kWhnahe null
Januar32 kWhrund 30 kWhwenige kWh

Die Erzeugungswerte folgen PVGIS-Daten für eine senkrechte Südfläche an einem mittleren deutschen Standort. Die Tabelle zeigt Monatssummen, und genau hier steckt die Feinheit: Der Dezember-Überschuss ist nicht gleichmäßig null. An zwei Dritteln der Tage liegt die Erzeugung unter der Grundlast, an den übrigen klaren Tagen kommen 1,5 bis 2 Kilowattstunden zusammen, die der Speicher aufnimmt.

Praktisch bedeutet das 10 bis 25 Vollzyklen über die vier Wintermonate. Ein Speicher, der im Sommer 25 bis 30 Zyklen pro Monat schafft, arbeitet im Winter also mit einem Bruchteil seiner Kapazität. Wer seine Speichergröße noch plant, findet die passende Rechnung im Artikel dazu, wie groß ein Balkonkraftwerk-Speicher sein sollte.

Was die Elektronik selbst verbraucht

Ein Balkonspeicher ist ein aktives Gerät. Er misst, regelt, funkt und wandelt, und das kostet Strom, auch wenn er weder lädt noch entlädt. Hersteller weisen diesen Eigenbedarf selten im Datenblatt aus, weshalb er in Kaufentscheidungen fast nie auftaucht.

Dauerbedarfpro Tagpro MonatAnteil am Dezember-Ertrag
2 W0,05 kWh1,5 kWhrund 5 %
4 W0,10 kWh2,9 kWhrund 11 %
8 W0,19 kWh5,8 kWhrund 21 %

Bezogen auf einen Dezember-Ertrag von 27 kWh. Im Sommer verschwindet dieser Verbrauch im Rauschen, im Winter frisst er einen spürbaren Anteil dessen, was überhaupt hereinkommt. Bei Geräten mit hohem Eigenbedarf kann die Monatsbilanz im Dezember rechnerisch negativ werden.

Den eigenen Wert findest du am einfachsten mit einem Messsteckdosen-Test über eine ganze Nacht, in der weder geladen noch entladen wird. Wie sich solche Messungen sauber aufsetzen lassen, beschreibt der Artikel zum Balkonkraftwerk-Ertrag messen.

Kälte kostet nutzbare Kapazität

Bei niedrigen Temperaturen steigt der Innenwiderstand der Zellen und die chemische Reaktion läuft träger. Die nutzbare Kapazität sinkt dadurch, ohne dass die Zelle Schaden nimmt.

ZelltemperaturNutzbare KapazitätLaden möglich
25 °C100 %ja
10 °Crund 95 %ja
0 °C80 bis 90 %Grenzfall, geräteabhängig
−10 °Crund 70 %nur mit Zellheizung
−20 °Cdeutlich unter 70 %nur mit Zellheizung

Größenordnungen für LiFePO4-Zellen. Der Effekt ist vollständig reversibel: Sobald die Zelle wieder wärmer wird, steht die volle Kapazität zur Verfügung. Zu beachten ist die Trägheit der Masse. Ein 20 Kilogramm schwerer Akku folgt der Außentemperatur mit vielen Stunden Verzögerung, weshalb ein kurzer Sonnennachmittag die Zelltemperatur kaum hebt.

Die Zellheizung zahlt der Akku

Geräte mit Heizfolie geben das Laden auch bei Minusgraden frei. Der Komfort hat einen Preis, der in den Datenblättern nicht steht: Die Heizung bezieht ihre Energie aus dem Akku selbst.

Eine typische Heizfolie zieht während des Aufwärmens 30 bis 60 Watt und läuft je nach Außentemperatur eine bis mehrere Stunden. Damit landen schnell 0,1 bis 0,3 Kilowattstunden im Aufwärmen, bevor der erste Solarstrom gespeichert wird. An einem Dezembertag mit 0,8 Kilowattstunden Erzeugung ist das ein erheblicher Anteil.

Sinnvoll wird die Heizung deshalb dort, wo der Speicher im Winter aus einer anderen Quelle geladen wird, etwa über einen dynamischen Netztarif. Wo ausschließlich Solarstrom hereinkommt, kann eine Heizung in einer Dauerfrostwoche mehr verbrauchen, als sie an Speichermenge ermöglicht.

Abschalten oder durchlaufen lassen?

Die Entscheidung hängt an drei Größen: dem Eigenverbrauch des Geräts, der Frage, ob es aus dem Netz laden kann, und dem Aufstellort.

SituationEmpfehlung
Dynamischer Stromtarif, AC-Ladefunktiondurchlaufen lassen, der Speicher arbeitet weiter
Niedriger Eigenverbrauch unter 3 W, Gerät steht frostfreidurchlaufen lassen
Hoher Eigenverbrauch, nur SolarladungAbschalten von Dezember bis Januar prüfen
Gerät ohne Zellheizung auf einem ungeschützten Nordbalkoneinlagern erwägen
Zweitwohnsitz, Anlage ohnehin unbeaufsichtigteinlagern

Wichtig bei allen Varianten: Der Wechselrichter und die Module dürfen weiterlaufen. Abgeschaltet wird ausschließlich der Speicher, die Erzeugung fließt dann direkt in den Haushalt. Wer die ganze Anlage stilllegen will, findet die Abschaltreihenfolge im Artikel dazu, ob man ein Balkonkraftwerk im Winter abbauen sollte.

Richtig einlagern

Wer den Speicher über die dunkelsten Wochen wegstellt, hält sich an vier Punkte. Sie stammen aus dem Umgang mit Lithiumzellen allgemein, die Herstelleranleitung geht im Zweifel vor.

  1. Ladestand auf 40 bis 60 Prozent bringen. Ein voller Akku altert im Stillstand deutlich schneller, ein leerer riskiert über Monate eine Tiefentladung, aus der er sich nicht mehr aufwecken lässt.
  2. Über den Geräteschalter ausschalten, statt nur die Kabel zu ziehen. Nur so geht auch die Regelelektronik schlafen.
  3. Frostfrei und trocken lagern, idealerweise zwischen 5 und 20 °C. Keller und Abstellraum passen, ein unbeheizter Dachboden mit Temperaturwechseln weniger.
  4. Alle drei bis vier Monate nachsehen. Selbstentladung und Ruhestromverbrauch summieren sich, ein kurzes Nachladen auf 50 Prozent genügt.

Beim Wiederaufbau im Frühjahr lohnt der Blick auf die Steckverbindungen und ein Firmware-Update in der App, bevor die Anlage wieder ans Netz geht.

Isolieren: was hilft und was schadet

Der Wunsch, das Gerät einzupacken, liegt nahe. Die Umsetzung geht oft schief, weil ein Balkonspeicher zwei gegenläufige Anforderungen hat: Die Zellen mögen es warm, die Leistungselektronik braucht Abfuhr für ihre Verlustwärme.

Was funktioniert: ein windgeschützter Platz an einer Hauswand statt frei auf dem Balkon, ein Sockel von 5 bis 10 Zentimetern gegen die Bodenkälte und stehendes Wasser, eine Haube oder ein Dach, das oben und seitlich Luft lässt.

Was Schaden anrichtet: eine dichte Styroporkiste, eine Decke direkt auf dem Gehäuse oder eine Folie, die Lüftungsschlitze verschließt. Im besten Fall drosselt das Gerät wegen Übertemperatur, im schlechtesten staut sich Wärme an der Elektronik. Dazu kommt Kondenswasser, das sich unter dichten Abdeckungen zuverlässig bildet.

Der wirksamste Hebel bleibt der Standort. Ein Speicher, der an einer Innenwand unter einem Vordach steht, sieht über den ganzen Winter mehrere Grad mehr als einer, der frei am Geländer hängt.

Der dynamische Tarif dreht die Rechnung um

Alle bisherigen Zahlen gelten für einen Speicher, der ausschließlich Solarstrom aufnimmt. Kann das Gerät zusätzlich aus dem Netz laden, ändert sich die Winterbilanz grundlegend.

Mit einem dynamischen Stromtarif lädt der Speicher in den Stunden mit niedrigem Börsenpreis, meist nachts oder mittags, und entlädt in die teure Abendspitze. Die Erzeugung der Module spielt dabei keine Rolle mehr, weshalb der Speicher auch im Dezember auf tägliche Zyklen kommt. Genau die Monate mit der schlechtesten Solarbilanz haben oft die größten Preisspreizungen am Strommarkt.

Voraussetzung ist ein Gerät mit AC-Ladefunktion sowie ein Zähler und Tarif, die das hergeben. Wie sich das rechnet und welche Spreizung nötig ist, damit es sich lohnt, steht im Artikel über Batteriespeicher und dynamische Stromtarife.

Was das für den Kauf bedeutet

Wer im Herbst über einen Speicher nachdenkt, sollte die Winterzahlen in die Erwartung einbauen. Drei Punkte verschieben sich dadurch:

  • Die Amortisation rechnet sich über acht Monate, nicht über zwölf. Ein Speicher, der im Sommer 25 Zyklen im Monat schafft, kommt aufs Jahr auf 200 bis 250 statt der oft genannten 300.
  • Der Eigenverbrauch des Geräts wird zum Auswahlkriterium. Zwischen 2 und 8 Watt Dauerbedarf liegen über ein Jahr rund 50 Kilowattstunden.
  • AC-Ladefunktion ist mehr wert, als sie zunächst wirkt. Sie ist der einzige Weg, auf dem ein Balkonspeicher im Winter durcharbeitet.

Der Kaufzeitpunkt selbst spricht trotzdem für den Winter: Die Preise liegen zwischen November und Januar am niedrigsten, und die Installation ist bis zum Saisonstart im März erledigt.

Fazit

Ein Balkonkraftwerk-Speicher hat von November bis Februar wenig zu tun, weil die Erzeugung in dieser Zeit unter dem liegt, was der Haushalt tagsüber ohnehin verbraucht. Statt 25 bis 30 Zyklen im Monat bleiben über den gesamten Winter 10 bis 25 übrig, und der Eigenverbrauch der Elektronik nimmt davon einen zweistelligen Prozentsatz.

Handeln muss man deshalb selten. Geräte mit niedrigem Standby laufen sinnvollerweise durch, Geräte mit hohem Eigenbedarf und reiner Solarladung darf man im Dezember getrost abschalten. Wer den Speicher ganzjährig arbeiten lassen will, führt ihn über einen dynamischen Stromtarif ans Netz und macht die Erzeugung damit zur Nebensache.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk-Speicher im Winter?

Kaum. Ein 900-Wp-Set erzeugt im Dezember im Mittel 0,7 bis 0,9 kWh am Tag, während der Haushalt in denselben Stunden bei 100 bis 150 Watt Grundlast schon 0,8 bis 1,2 kWh zieht. Es bleibt also meist kein Überschuss übrig, den der Speicher aufnehmen könnte. Über die vier Wintermonate kommen realistisch 10 bis 25 Vollzyklen zusammen statt der 25 bis 30 pro Monat im Sommer.

Soll ich den Speicher im Winter abschalten?

Bei einem Gerät mit hohem Eigenverbrauch und ohne dynamischen Stromtarif kann sich das rechnen. Zieht die Elektronik dauerhaft 4 Watt, sind das 2,9 kWh im Monat, und das ist mehr, als der Speicher an vielen Dezembertagen einlagert. Bei Geräten mit sehr niedrigem Standby oder bei Netzladung über einen dynamischen Tarif bleibt er sinnvollerweise an.

Wie viel Kapazität verliert ein LiFePO4-Akku bei Kälte?

Die nutzbare Kapazität sinkt bei 0 °C auf etwa 80 bis 90 Prozent des Nennwerts und bei −10 °C auf rund 70 Prozent. Der Verlust ist reversibel: Sobald die Zelle wieder wärmer wird, steht die volle Kapazität zur Verfügung. Dauerhaften Schaden nimmt eine Zelle nur, wenn sie unter dem Gefrierpunkt geladen wird, und genau das verhindert das Batteriemanagement.

Was passiert, wenn der Speicher bei Frost nicht laden darf?

Das Batteriemanagement sperrt das Laden und der Solarstrom fließt am Speicher vorbei in den Haushalt und weiter ins Netz. Der Speicher steht still, nimmt aber keinen Schaden. Geräte mit Zellheizung wärmen den Akku vorher auf und geben das Laden dann frei, wobei die Heizung ihren Strom aus dem Akku selbst zieht.

Wie lagere ich einen Balkonkraftwerk-Speicher über den Winter ein?

Auf 40 bis 60 Prozent Ladestand bringen, dann ausschalten und an einem frostfreien, trockenen Ort lagern. Ein voll geladener Akku altert im Stillstand schneller, ein leerer riskiert Tiefentladung. Alle drei bis vier Monate den Ladestand prüfen und bei Bedarf nachladen. Die genauen Vorgaben stehen in der Anleitung des Herstellers und weichen teils ab.

Darf ich den Speicher im Winter isolieren?

Nur, wenn die Belüftungsöffnungen frei bleiben. Eine Umhausung aus Styropor oder eine dicke Decke rund um das Gehäuse behindert die Wärmeabfuhr der Leistungselektronik und kann im Fehlerfall gefährlich werden. Sinnvoll sind ein windgeschützter Platz, ein Sockel gegen Bodenkälte und eine Abdeckung, die oben und an den Seiten Luft lässt.

Bringt ein dynamischer Stromtarif dem Speicher im Winter etwas?

Ja, das ist der einzige Weg, auf dem ein Balkonspeicher im Winter voll arbeitet. Er lädt dann in den günstigen Nachtstunden aus dem Netz und entlädt in den teuren Abendstunden. Die Erzeugung der Module spielt dabei keine Rolle mehr, weshalb der Speicher auch im Dezember auf tägliche Zyklen kommt. Voraussetzung ist ein Gerät mit AC-Ladefunktion.

Muss ich einen abgeschalteten Speicher beim Netzbetreiber melden?

Nein. Die Registrierung im Marktstammdatenregister gilt unabhängig davon, ob das Gerät gerade läuft. Ein vorübergehendes Abschalten oder Einlagern ändert daran nichts, eine Meldung wird erst bei endgültiger Außerbetriebnahme fällig.

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