Solar.web zeigt eine rote Meldung, im Protokoll steht “State 107”, und die Frage ist sofort, ob der Wechselrichter gerade stirbt. Die Antwort hängt an einer einzigen Angabe, die in derselben Zeile steht: wie lange der Code angestanden hat. Zwei Minuten in der Morgendämmerung und sechs Stunden am Stück sind zwei völlig verschiedene Befunde.
Was der Code wörtlich sagt
Fronius fasst seine Meldungen in Statusklassen zusammen, und die Klasse verrät schon die halbe Diagnose. Codes im Bereich 100 bis 112 sind Klasse-1-Meldungen und damit netzbezogen. Sie beschreiben, was der Wechselrichter an seinem AC-Anschluss vorfindet, und haben ihren Ursprung damit außerhalb des Geräts.
Statuscode 107 bedeutet: kein gültiges AC-Netz erkannt. Der Wechselrichter hat seine Netzprüfung durchgeführt, dabei keine Netzspannung innerhalb der zulässigen Grenzen gemessen und daraufhin die Einspeisung eingestellt. Danach beginnt er, das Netz in kurzen Abständen erneut zu prüfen, und nimmt den Betrieb selbsttätig wieder auf, sobald die Bedingungen stimmen.
Dieses Verhalten schreibt die Norm vor. Die VDE-AR-N 4105 verlangt eine Netzentkupplung: Fällt das öffentliche Netz aus, muss jede Erzeugungsanlage abschalten. Sonst könnte eine PV-Anlage einen abgeschalteten Netzabschnitt weiter unter Spannung setzen, während ein Monteur daran arbeitet. Ein Wechselrichter, der bei fehlendem Netz brav 107 meldet und stillsteht, tut also genau das Richtige.
Die Nachbarcodes und ihre Abgrenzung
| Code | Bedeutung | Typische Ursache |
|---|---|---|
| 102 | Netzspannung zu hoch | Langes Stichkabel, viele Einspeiser im Ortsnetz |
| 103 | Netzspannung zu niedrig | Starke Last im Netzabschnitt, schwacher Anschluss |
| 105 | Netzfrequenz zu hoch | Netzseitiges Ereignis, meist sehr kurz |
| 106 | Netzfrequenz zu niedrig | Netzseitiges Ereignis, meist sehr kurz |
| 107 | AC-Netz nicht vorhanden | Schalter aus, Klemme lose, Netzausfall, Relais defekt |
| 108 | Inselbetrieb erkannt | Netztrennung, Anlage hätte weiter eingespeist |
Diese Unterscheidung spart Arbeit. Tauchen 102 und 103 gehäuft auf, geht es um Netzqualität und der Netzbetreiber ist zuständig. Steht 107 dauerhaft, geht es um eine Unterbrechung im eigenen Zuständigkeitsbereich.
Die entscheidende Frage: Sekunden oder Stunden?
Der häufigste Fehler bei der Beurteilung ist, jeden 107-Eintrag als Störung zu lesen. Solar.web protokolliert auch Meldungen, die der Wechselrichter Sekunden später selbst wieder aufgelöst hat. Genau darum steht neben jeder Meldung eine Dauer, und die trennt zwei völlig verschiedene Fälle.
Muster A, harmlos. Kurze Einträge in der Dämmerung, zusammen wenige Minuten am Tag. Der Wechselrichter fährt mit steigender Modulspannung hoch, prüft das Netz, bricht einen grenzwertigen Versuch ab und wiederholt ihn. Der Ertragsverlust liegt im Bereich weniger Wattstunden, weil in diesen Minuten ohnehin kaum Leistung anliegt. Hier ist nichts zu tun.
Muster B, echte Störung. Der Code steht über Stunden, der Tagesertrag bleibt bei null oder bricht mitten am Tag ab. Jetzt lohnt die Suche, und sie folgt einer festen Reihenfolge.
Ein drittes Muster verdient Aufmerksamkeit: mehrmals täglich für jeweils einige Minuten, verteilt über den ganzen Tag. Das riecht nach schwankender Netzqualität oder nach einer Klemmstelle, die sich mit der Temperatur bewegt. Diese Fälle sind die unangenehmsten, weil sie Ertrag kosten, ohne sofort aufzufallen.
Die Ursachensuche in vier Schritten
1. Schalter und Sicherungen
Der Wechselrichter hängt über mindestens einen Leitungsschutzschalter am Netz, bei vielen Anlagen zusätzlich über einen FI-Schutzschalter und einen AC-Trennschalter in Gerätenähe. Jeder davon bringt bei Auslösung exakt das Bild von 107 hervor.
Prüfe alle drei und achte dabei auf den Zustand des Kipphebels: Ein Leitungsschutzschalter, der nur halb steht, ist gefallen. Wichtig ist auch, welcher Schalter ausgelöst hat. Der LS-Schalter allein spricht für Überlast oder Kurzschluss auf der AC-Leitung, ein gefallener FI zusätzlich für einen Ableitstrom. Fliegt derselbe Schalter nach dem Zurücksetzen erneut, gehört die Suche in Fachhand. Die Systematik dahinter beschreibt der Artikel zur Sicherung, die beim Balkonkraftwerk rausfliegt, und sie gilt bei Hausanlagen genauso.
2. Der saubere Neustart
Ein Neustart löst überraschend viele hartnäckige Statuscodes, wenn er vollständig durchgeführt wird. Die Reihenfolge ist dabei wichtig, weil die Zwischenkreiskondensatoren Zeit zum Entladen brauchen:
- AC-Trennschalter aus oder den Leitungsschutzschalter der Anlage abschalten
- Fünf Minuten warten, damit sich der Zwischenkreis entlädt
- DC-Trennschalter am Wechselrichter auf Aus
- Eine Minute warten
- Erst DC einschalten, dann AC
Der Wechselrichter durchläuft danach seine Startsequenz inklusive Netzprüfung neu. Bleibt 107 dabei stehen, ist die AC-Seite tatsächlich tot oder das Gerät kann sie nicht erreichen.
3. Spannung messen lassen
Ab hier wird es eine Aufgabe für eine Elektrofachkraft, denn es geht um Messungen an spannungsführenden Klemmen. Gemessen wird direkt am AC-Anschluss des Wechselrichters:
- Phase gegen Neutralleiter: sollte der Netzspannung entsprechen, bei einphasigen Geräten rund 230 V, bei dreiphasigen an allen drei Phasen
- Neutralleiter gegen Schutzleiter: ein deutlich erhöhter Wert deutet auf einen Anschlussfehler hin
- Bei dreiphasigen Geräten zusätzlich jede Phase einzeln, weil ein fehlender Außenleiter dasselbe Fehlerbild erzeugt
Findet sich hier keine Spannung, während im Verteiler alles anliegt, sitzt die Unterbrechung in der Leitung oder in einer Klemmstelle. Lose Klemmen an Wechselrichter oder Verteiler sind ein klassischer Fund, besonders bei Anlagen im ersten Betriebsjahr, wenn sich Aderendhülsen gesetzt haben.
4. Das Netztrennrelais
Bleibt die unangenehmste Möglichkeit. Im Wechselrichter sitzt ein Relais, das die Verbindung zum Netz herstellt und trennt. Es ist das Bauteil, das die Netzentkupplung physisch ausführt, und es schaltet bei jedem Sonnenaufgang und jedem Sonnenuntergang, also mehr als 700 Mal im Jahr.
Dokumentierte Fälle zeigen ein wiederkehrendes Muster: Der Wechselrichter wird unter hoher Last abgeschaltet, der Relaiskontakt ist in diesem Moment heiß, und er bleibt am Kunststoffanschlag in Aus-Stellung kleben. Das Gerät sieht danach dauerhaft kein Netz, obwohl an den Klemmen Spannung anliegt, und meldet 107. Nach einem Relaistausch läuft die Anlage wieder.
Diese Diagnose gehört zum Service, weil das Gerät dafür geöffnet wird. Bei Anlagen innerhalb der Garantiezeit ist der Weg über den Fronius-Service oder den Installateur ohnehin der richtige. Wie du im Zweifelsfall zwischen Reparatur und Tausch entscheidest, steht im Artikel Wechselrichter defekt, was tun.
Wenn der Code nur zu bestimmten Zeiten kommt
Nachtabschaltung und Standby
Manche Fronius-Geräte lassen sich so einstellen, dass sie nachts vollständig abschalten statt in den Standby zu gehen. In Foren finden sich Berichte, in denen genau diese Einstellung wiederkehrende 105- und 107-Meldungen erzeugte, weil das Gerät jeden Morgen eine vollständige Netzprüfung von null durchläuft. Die Meldungen waren dabei folgenlos, störten aber die Protokollansicht.
Eine Änderung an dieser Einstellung lohnt nur, wenn die Einträge stören. Der Ertragsunterschied zwischen Nachtabschaltung und Standby liegt bei wenigen Wattstunden pro Nacht.
Mittags bei viel Sonne
Kommt 107 ausgerechnet bei bester Einstrahlung, ist der Verdacht ein anderer. Bei hoher Einspeiseleistung steigt die Spannung am Netzanschlusspunkt, und in schwachen Netzabschnitten kann sie die Grenze reißen. Meist protokolliert Fronius das als 102, gelegentlich kippt ein Netzeinbruch die Prüfung aber so, dass 107 erscheint.
Der Hebel dafür liegt außerhalb der Anlage. Der Netzbetreiber ist verpflichtet, die Spannung am Verknüpfungspunkt in den Grenzen der EN 50160 zu halten. Ein Protokoll aus Solar.web mit Datum, Uhrzeit und Dauer der Meldungen ist dabei das beste Argument, das du haben kannst.
Nach einem Gewitter
Ein Überspannungsereignis kann das Netztrennrelais beschädigen, ohne den Wechselrichter vollständig zu zerstören. Taucht 107 zum ersten Mal am Tag nach einem Gewitter auf, gehört das in die Meldung an Versicherung und Service. Viele Hausratversicherungen decken Überspannungsschäden ab, und die zeitliche Nähe ist dabei ein wichtiges Argument.
Was du selbst tun darfst
Die Grenze verläuft klar. Schalten, prüfen und ablesen darf jeder:
- Leitungsschutzschalter und FI im Verteiler betätigen
- AC- und DC-Trennschalter am Wechselrichter schalten
- Display, LED und Solar.web ablesen und dokumentieren
- die Anlage nach der oben beschriebenen Reihenfolge neu starten
Alles, was den Griff an eine Klemme oder ins Gerät bedeutet, gehört zur Elektrofachkraft. Das ist keine Formalie: Auf der DC-Seite liegen bei Hausanlagen mehrere hundert Volt Gleichspannung an, sobald Licht auf die Module fällt, und ein Gleichstromlichtbogen erlischt beim Trennen nicht von selbst.
So dokumentierst du den Fall richtig
Wenn der Service oder der Installateur ins Spiel kommt, entscheidet die Qualität der Vorarbeit über die Dauer. Diese Angaben gehören in die erste Nachricht:
| Angabe | Wo du sie findest |
|---|---|
| Gerätetyp und Seriennummer | Typenschild am Wechselrichter, auch in Solar.web |
| Statuscode mit Datum und Uhrzeit | Solar.web, Reiter Meldungen |
| Dauer jeder Meldung | dieselbe Ansicht, Spalte Dauer |
| Häufigkeit über die letzten Wochen | Meldungsliste über einen längeren Zeitraum |
| Tagesertrag an den betroffenen Tagen | Ertragsansicht in Solar.web |
| Was bereits geprüft wurde | eigene Notiz: Schalter, Neustart, Messung |
Mit dieser Liste entfällt die übliche erste Runde an Rückfragen. Wer seinen Ertrag ohnehin regelmäßig im Blick behält, erkennt solche Störungen außerdem früher; wie das praktisch geht, steht im Artikel zum Ertrag messen.
Fazit
Statuscode 107 ist zunächst eine Zustandsmeldung und keine Schadensmeldung: Der Wechselrichter sagt, dass er kein Netz findet, und hält sich damit an die Vorschrift. Ob daraus ein Fall wird, entscheidet die Dauer. Kurze Einträge in der Dämmerung gehören zum Normalbetrieb und dürfen ignoriert werden.
Steht der Code dagegen über Stunden, arbeite die Reihenfolge ab: erst Schalter und Sicherungen, dann der vollständige Neustart mit fünf Minuten Wartezeit, danach die Spannungsmessung an den Klemmen durch eine Fachkraft. Liegt dort Spannung an und das Gerät meldet trotzdem weiter 107, bleibt das Netztrennrelais als wahrscheinlichste Ursache, und der Fall gehört zum Service. Bevor du irgendetwas ausbaust, lohnt der Blick auf die Garantie, denn manche Hersteller verlangen das Gerät bis zur Freigabe montiert.
Häufige Fragen
Was bedeutet Statuscode 107 beim Fronius-Wechselrichter?
Statuscode 107 heißt "AC-Netz nicht vorhanden": Der Wechselrichter hat bei der Netzprüfung keine gültige Netzspannung an seinen AC-Klemmen gefunden und deshalb die Einspeisung gestoppt. Der Code gehört zur Statusklasse 1, also zu den netzbezogenen Meldungen. Der Wechselrichter prüft danach in kurzen Abständen weiter und nimmt den Einspeisebetrieb selbsttätig wieder auf, sobald das Netz zurück ist.
Ist Fehler 107 gefährlich?
Für sich genommen nein. Die Meldung beschreibt genau das Verhalten, das die Netzentkupplung nach VDE-AR-N 4105 vorschreibt: Ohne stabiles Netz darf ein Wechselrichter nicht einspeisen, damit im abgeschalteten Netz niemand an einer Leitung arbeitet, die von der PV-Anlage unter Spannung gesetzt wird. Problematisch wird 107 erst, wenn der Code dauerhaft steht, denn dann liegt eine echte Unterbrechung oder ein Gerätefehler vor.
Warum kommt Fehler 107 nur morgens oder abends?
In der Dämmerung wacht der Wechselrichter mit steigender Modulspannung auf und führt seine Netzprüfung durch. Ist die Netzqualität in diesem Moment grenzwertig oder öffnet gerade ein Relais, wird der Versuch mit 107 abgebrochen und kurz darauf wiederholt. Einträge von wenigen Minuten rund um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind deshalb Normalbetrieb und kosten praktisch keinen Ertrag.
Was mache ich als Erstes bei Statuscode 107?
Prüfe die AC-Seite in dieser Reihenfolge: Leitungsschutzschalter der PV-Anlage im Verteiler, dann den FI-Schutzschalter, dann einen eventuell vorhandenen AC-Trennschalter neben dem Wechselrichter. Ein gefallener oder versehentlich ausgeschalteter Schalter erklärt den größten Teil aller Dauer-107. Erst danach folgt ein sauberer Neustart mit AC aus, fünf Minuten warten, DC aus, in umgekehrter Reihenfolge zuschalten.
Kann eine schlechte Netzqualität den Fehler auslösen?
Ja, und das ist am Ende eines langen Stichkabels oder in Ortsnetzen mit vielen Einspeisern häufig. Steigt die Netzspannung über den zulässigen Wert, koppelt sich der Wechselrichter ab. Fronius protokolliert solche Ereignisse meist als 102 oder 103 für Über- und Unterspannung, bei kurzen Netzeinbrüchen erscheint stattdessen 107. Häufen sich diese Einträge tagsüber, ist der Netzbetreiber der richtige Ansprechpartner.
Muss ich bei Fehler 107 den Wechselrichter tauschen?
In den meisten Fällen nicht. Erst wenn AC-Spannung nachweislich an den Klemmen des Wechselrichters anliegt und das Gerät trotzdem dauerhaft 107 meldet, deutet es auf ein klemmendes Netztrennrelais oder einen Fehler in der Netzüberwachung hin. Dokumentierte Fälle zeigen genau das: Ein Relaiskontakt bleibt nach einer Abschaltung unter Last in Aus-Stellung hängen. Diese Messung und den Tausch übernimmt eine Elektrofachkraft oder der Fronius-Service.
Wie lange dauert es, bis der Wechselrichter wieder einspeist?
Nach dem Wegfall einer Netzstörung schreibt die Norm einen Überwachungszeitraum vor, in dem der Wechselrichter die Netzparameter beobachtet, bevor er zuschaltet. In der Praxis liegen zwischen dem Ende der Störung und der Wiederaufnahme meist einige Sekunden bis wenige Minuten. Ein Gerät, das nach 20 Minuten stabilen Netzes immer noch nicht einspeist, ist auffällig.
Wo sehe ich die Statuscodes meiner Fronius-Anlage?
Am Gerät selbst über das Display beziehungsweise die Status-LED, im lokalen Webinterface unter der IP des Datamanagers und in Fronius Solar.web unter dem Reiter für Meldungen. Solar.web ist für die Beurteilung am hilfreichsten, weil dort jede Meldung mit Datum, Uhrzeit und Dauer steht. Genau diese Dauer entscheidet, ob eine Meldung harmlos ist.
Bedeutet 107 dasselbe wie 105 oder 106?
Nein, die drei Codes trennen verschiedene Netzfehler. 105 steht für eine zu hohe Netzfrequenz, 106 für eine zu niedrige, und 107 sagt, dass überhaupt kein gültiges Netz erkannt wurde. Alle drei gehören zur selben Statusklasse und führen zur Netztrennung, die Ursachensuche geht aber in unterschiedliche Richtungen.