Die kurze Antwort: ja, mit kleinerem Hebel als bei Familien
Ein Balkonkraftwerk lohnt sich auch für eine Person, die Ersparnis fällt nur kleiner aus als in einem Familienhaushalt. Der Grund liegt im Verbrauch: Ein Single braucht weniger Strom gleichzeitig mit der Sonne, also fließt mehr Solarstrom unvergütet ins Netz. Unsere Simulation mit stündlichen Einstrahlungsdaten zeigt, wie groß der Effekt ist. Ein Set mit 960 Wp senkrecht am Südbalkon erzeugt in Mitteldeutschland rund 733 kWh im Jahr. Ein Single-Haushalt mit 1.200 kWh nutzt davon im Büro-Alltag 289 kWh direkt, im Homeoffice 414 kWh.
Bei 37 Cent je Kilowattstunde sind das rund 107 bzw. 153 Euro im Jahr. Das Set kostet mit Halterung meist 350 bis 450 Euro und ist damit nach drei bis vier Jahren bezahlt. Danach liefert es noch viele Jahre weiter, Module halten typischerweise 25 Jahre und länger. Wie sich die Rechnung allgemein aufbaut, zeigt der Ratgeber Wie viel spart ein Balkonkraftwerk.
Wie viel Strom ein Single-Haushalt verbraucht
Der Stromspiegel 2025 nennt für Ein-Personen-Haushalte diese Durchschnittswerte:
| Wohnsituation | ohne elektrische Warmwasserbereitung | mit elektrischer Warmwasserbereitung |
|---|---|---|
| Wohnung im Mehrfamilienhaus | 1.200 kWh | 1.600 kWh |
| Einfamilienhaus | 1.800 kWh | 2.100 kWh |
Über alle Single-Haushalte gemittelt sind es rund 1.675 kWh im Jahr. Für das Balkonkraftwerk ist der Jahreswert aber nur die halbe Information. Entscheidend ist, wann der Strom verbraucht wird. Ein Durchlauferhitzer zieht zwar viel, aber in kurzen Spitzen morgens und abends, wenn das Modul wenig liefert. Ein Kühlschrank zieht wenig, dafür rund um die Uhr, also auch mittags.
Warum die Grundlast den Ausschlag gibt
Die Grundlast ist der Verbrauch, der immer läuft: Kühlschrank, Router, Heizungspumpe, Geräte im Standby. In einer Single-Wohnung liegt sie oft bei 40 bis 80 Watt. Genau dieser Teil nimmt einen großen Teil des Solarstroms auf, weil er auch dann da ist, wenn niemand zu Hause ist. Wie viel, zeigt die Simulation für das 960-Wp-Set ohne jeden weiteren Verbrauch:
| Grundlast | davon direkt genutzt im Jahr | Anteil am Ertrag | Wert bei 37 ct |
|---|---|---|---|
| 30 W | 104 kWh | 14 % | 38 € |
| 50 W | 161 kWh | 22 % | 60 € |
| 75 W | 222 kWh | 30 % | 82 € |
| 100 W | 275 kWh | 38 % | 102 € |
| 150 W | 369 kWh | 50 % | 137 € |
Eine sparsame Wohnung mit 30 Watt Grundlast holt aus der Grundlast allein also nur 38 Euro im Jahr, ein Haushalt mit 100 Watt schon über 100 Euro. Ermitteln lässt sich der eigene Wert über den Zähler: abends und morgens ablesen, Differenz durch die Stunden teilen. 0,5 kWh in acht Stunden entsprechen rund 60 Watt.
Büro-Alltag gegen Homeoffice: die Simulation
Für die Simulation haben wir zwei typische Tagesabläufe angesetzt. Beide verbrauchen 1.200 kWh im Jahr, davon 55 Watt Grundlast rund um die Uhr. Der Rest verteilt sich unterschiedlich: Im Büro-Alltag fällt er werktags morgens von 6 bis 8 und abends von 17 bis 23 Uhr an, am Wochenende über den ganzen Tag. Im Homeoffice verteilt er sich täglich auf die Zeit von 7 bis 23 Uhr. Die Erzeugung stammt aus den stündlichen PVGIS-Daten der EU-Kommission für Kassel, 2020 bis 2023.

Von März bis September erzeugt das Set mehr als doppelt so viel, wie ein Single im Büro-Alltag gleichzeitig verbraucht.
| Ergebnis pro Jahr | Büro-Alltag | Homeoffice |
|---|---|---|
| Erzeugung des Sets | 733 kWh | 733 kWh |
| direkt im Haushalt genutzt | 289 kWh | 414 kWh |
| Anteil am Ertrag | 39 % | 56 % |
| Anteil am eigenen Verbrauch | 24 % | 34 % |
| Ersparnis bei 37 ct/kWh | rund 107 € | rund 153 € |
Zwei Dinge fallen auf. Im Winter ist der Unterschied zwischen den beiden Abläufen klein, weil das Set dann ohnehin wenig liefert und fast alles im Haushalt bleibt. Im Frühling und Sommer öffnet sich die Schere: Im Büro-Alltag fließt dann mehr als die Hälfte ins Netz. Die Simulation rechnet mit Stundenmitteln, kurze Lastspitzen von Wasserkocher oder Föhn glättet sie. Reale Werte liegen deshalb eher etwas darunter.
Welche Setgröße für eine Person passt
Weil der Verbrauch den Nutzen begrenzt, bringen zusätzliche Module bei einer Person immer weniger. Die Simulation mit derselben senkrechten Südmontage:
| Setgröße | Erzeugung | genutzt im Büro-Alltag | genutzt im Homeoffice |
|---|---|---|---|
| 1 Modul, 450 Wp | 343 kWh | 202 kWh (75 €) | 297 kWh (110 €) |
| 2 Module, 960 Wp | 733 kWh | 289 kWh (107 €) | 414 kWh (153 €) |
| 4 Module, 2.000 Wp | 1.328 kWh | 366 kWh (135 €) | 510 kWh (189 €) |
Das zweite Modul bringt im Büro-Alltag rund 32 Euro im Jahr dazu. Ein einzelnes Modul dieser Klasse kostet derzeit rund 140 bis 230 Euro, die Investition holt sich also nach vier bis sieben Jahren zurück. Der Sprung auf vier Module mit 2.000 Wp bringt dagegen nur noch 28 Euro mehr. Dazu kommt: Über 960 Wp verlangt die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 eine Energiesteckvorrichtung (Wieland) statt des Schuko-Steckers, das kostet zusätzlich einen Elektrofachbetrieb.
Für eine Person ist damit ein Set mit zwei Modulen und bis zu 960 Wp die sinnvolle Größe. Zwei Komplettsets aus unseren Rezensionen, die genau in diese Grenze passen:
Wie stark der Ertrag von Ausrichtung und Neigung abhängt, zeigt der Ratgeber Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk. Ein schräg aufgeständertes Set auf der Terrasse erzeugt deutlich mehr als die 733 kWh am Geländer, bei einer Person landet davon aber wieder nur ein Teil im Haushalt.
Ab wann sich das Set bezahlt macht
| Anschaffung inkl. Halterung | Büro-Alltag (107 €/Jahr) | Homeoffice (153 €/Jahr) |
|---|---|---|
| 350 € | rund 3,3 Jahre | rund 2,3 Jahre |
| 450 € | rund 4,2 Jahre | rund 2,9 Jahre |
| 550 € | rund 5,1 Jahre | rund 3,6 Jahre |
Gerechnet ist ohne Strompreisänderung und ohne Wartungskosten. Steigt der Strompreis, verkürzt sich die Zeit, fällt er, verlängert sie sich. Ein Wechselrichter-Tausch nach 10 bis 15 Jahren kostet heute rund 65 bis 150 Euro und verschiebt die Bilanz nur wenig.
Lohnt ein Speicher für eine Person?
Ein Speicher nimmt den Mittagsüberschuss auf und gibt ihn abends ab. In der Simulation hebt ein Akku mit rund 1,6 kWh den direkt genutzten Anteil im Büro-Alltag von 289 auf etwa 566 kWh, im Homeoffice von 414 auf etwa 645 kWh. Das sind rund 100 bzw. 85 Euro mehr im Jahr.
Davon geht noch der Eigenverbrauch des Speichers ab. Balkonspeicher ziehen im Leerlauf je nach Modell einige Watt, über ein Jahr summiert sich das auf einige Dutzend Kilowattstunden. Bei Speicherpreisen von 400 bis 800 Euro braucht die Erweiterung deshalb meist fünf bis zehn Jahre, bis sie bezahlt ist. Für einen Single mit kleinem Budget ist das Set ohne Speicher der bessere Einstieg, ein Speicher lässt sich später nachrüsten.
So holst du als Single mehr heraus
Der größte Hebel liegt bei einer Person im Tagesablauf, und er kostet nichts:
- Waschmaschine und Geschirrspüler mittags starten. Ein Waschgang braucht rund 0,5 bis 1 kWh. Laufen zwei pro Woche an sonnigen Tagen über Mittag, kommen grob 40 bis 70 kWh im Jahr direkt vom Balkon. Die Startzeitvorwahl macht das auch im Büro-Alltag möglich.
- Akkus tagsüber laden. E-Bike, Laptop, Akkuwerkzeug und Staubsauger laden am besten am Wochenende oder per Zeitschaltuhr mittags.
- Homeoffice-Tage nutzen. Jeder Tag zu Hause hebt den Eigenverbrauch spürbar, wie der Unterschied der beiden Simulationen zeigt.
- Alte Dauerläufer prüfen. Ein alter Zweitkühlschrank ist ein Stromfresser, den ein Balkonkraftwerk nur teilweise ausgleicht. Hier lohnt sich der Austausch unabhängig von der Solaranlage.
Viele Singles wohnen zur Miete. Seit 2024 haben Mieter einen Anspruch auf die Zustimmung zum Balkonkraftwerk, Details dazu stehen im Ratgeber Balkonkraftwerk als Mieter.
Wann es sich für eine Person kaum lohnt
Drei Konstellationen drücken die Ersparnis so weit, dass sich die Anschaffung nur noch knapp rechnet:
- Sehr niedriger Verbrauch. Wer unter rund 800 kWh im Jahr bleibt und eine Grundlast um 30 Watt hat, nutzt selbst bei Südlage nur rund 100 bis 150 kWh direkt.
- Nordbalkon. Ein senkrechtes Nordmodul liefert nur rund ein Drittel dessen, was ein optimal ausgerichtetes Südmodul schafft. Ost- und Westbalkone kommen senkrecht auf gut 70 Prozent des Südbalkons und bleiben im brauchbaren Bereich.
- Starke Verschattung. Bäume oder ein Balkon darüber nehmen gerade in den Mittagsstunden Leistung weg, also genau dann, wenn eine Person ohnehin einen Überschuss hat.
Fazit
Für eine Person lohnt sich ein Balkonkraftwerk fast immer, wenn ein Süd-, Ost- oder Westbalkon ohne starken Schatten zur Verfügung steht. Die Ersparnis von rund 100 bis 150 Euro im Jahr ist kleiner als in einer Familie, das Set ist aber auch nach drei bis vier Jahren bezahlt. Die beste Wahl ist ein Set mit zwei Modulen bis 960 Wp am Schuko-Stecker. Mehr Module und ein Speicher bringen bei einer Person deutlich weniger zusätzlich, als ihr Preis vermuten lässt. Wer Waschmaschine und Geschirrspüler in die Mittagsstunden legt, holt den größten Zusatznutzen kostenlos.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk für eine Person?
In den meisten Fällen ja. Ein Set mit 960 Wp senkrecht am Südbalkon spart einem Single mit 1.200 kWh Jahresverbrauch nach unserer Simulation rund 107 Euro im Jahr, wer im Homeoffice arbeitet, rund 153 Euro. Bei 350 bis 450 Euro Anschaffung ist das Set nach rund 2,5 bis 4 Jahren bezahlt und läuft danach noch viele Jahre weiter.
Wie viel Strom verbraucht ein Single-Haushalt?
Laut Stromspiegel 2025 rund 1.200 kWh im Jahr in einer Wohnung ohne elektrische Warmwasserbereitung und 1.600 kWh mit Durchlauferhitzer. Im Einfamilienhaus sind es 1.800 bzw. 2.100 kWh. Der Mittelwert aller Single-Haushalte liegt bei rund 1.675 kWh.
Wie viel spart ein Balkonkraftwerk bei einer Person im Jahr?
Rund 75 bis 155 Euro, je nach Setgröße und Tagesablauf. Ein einzelnes Modul mit 450 Wp bringt im Büro-Alltag etwa 75 Euro, ein Set mit 960 Wp etwa 107 Euro. Im Homeoffice steigen die Werte auf rund 110 bzw. 153 Euro, weil tagsüber mehr Strom direkt verbraucht wird. Gerechnet ist mit 37 Cent je Kilowattstunde.
Reicht für eine Person ein Balkonkraftwerk mit einem Modul?
Es reicht, rechnet sich aber etwas schlechter. Ein Modul mit 450 Wp senkrecht am Südbalkon erzeugt rund 343 kWh, im Büro-Alltag landen davon gut 200 kWh im Haushalt. Das zweite Modul bringt im Haushalt weitere 87 kWh, rund 32 Euro im Jahr. Einzeln kostet ein Modul dieser Klasse derzeit rund 140 bis 230 Euro, das zweite Modul hat sich damit nach vier bis sieben Jahren bezahlt gemacht.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk mit Speicher für eine Person?
Selten. Ein Speicher mit rund 1,6 kWh hebt den Eigenverbrauch im Büro-Alltag von 289 auf etwa 566 kWh. Das sind rund 100 Euro mehr im Jahr, von denen der Eigenverbrauch des Speichers noch einen Teil abzieht. Bei Speicherpreisen von 400 bis 800 Euro dauert die Amortisation damit meist deutlich länger als beim Set allein.
Wie finde ich meine Grundlast heraus?
Am einfachsten über den Zähler: Abends vor dem Schlafengehen und morgens nach dem Aufstehen den Stand notieren, wenn keine großen Geräte laufen. Die Differenz in Kilowattstunden geteilt durch die Stunden dazwischen ergibt die Grundlast in Kilowatt. 0,5 kWh in acht Stunden entsprechen rund 60 Watt.
Für wen lohnt sich ein Balkonkraftwerk als Single kaum?
Für Singles mit sehr niedrigem Verbrauch unter rund 800 kWh, mit Nordbalkon oder starker Verschattung. Ein senkrechtes Nordmodul liefert nur rund ein Drittel dessen, was ein optimal ausgerichtetes Südmodul schafft. Kommt dann noch eine Grundlast unter 40 Watt dazu, bleiben nur wenige Dutzend Euro Ersparnis im Jahr.