„Bis zu 300 Euro im Jahr” steht auf vielen Produktseiten. Auf der Stromrechnung landen bei den meisten Haushalten deutlich kleinere Zahlen, und das liegt selten am Gerät. Es liegt daran, dass ein Balkonkraftwerk nur einen Teil dessen in Geld verwandelt, was es erzeugt. Welcher Teil das ist, lässt sich in drei Schritten ausrechnen.
Die Formel hinter der Ersparnis
Drei Zahlen bestimmen, was am Jahresende auf der Rechnung fehlt:
Jahresertrag × Eigenverbrauchsanteil × Strompreis = Ersparnis
Der Jahresertrag hängt an Modulleistung, Ausrichtung und Neigung. Der Eigenverbrauchsanteil beschreibt, welcher Teil davon im selben Moment im Haushalt verbraucht wird. Und der Strompreis ist der Arbeitspreis aus deinem Vertrag, den du auf der Jahresabrechnung in Cent je Kilowattstunde findest.
Der mittlere Faktor ist der, der Werbeversprechen und Realität auseinanderdriften lässt. Er wird in Prospekten gern mit 100 Prozent angesetzt, liegt in der Praxis ohne Speicher aber bei 35 bis 50 Prozent.
Zum Strompreis: Der BDEW nennt für 2026 einen Durchschnitt von rund 37 Cent je Kilowattstunde für Haushalte. In der Grundversorgung liegen viele Haushalte darüber, mit einem aktuellen Neukundentarif teils bei 23 bis 28 Cent. Rechne mit deinem eigenen Wert, denn er verschiebt das Ergebnis um ein Drittel und mehr.
Was ein Balkonkraftwerk im Jahr erzeugt
Die Montage entscheidet stärker über den Ertrag als die Wattzahl auf dem Karton. Dieselben Module liefern senkrecht am Geländer deutlich weniger als aufgeständert auf der Terrasse.
| Montage | Jahresertrag (rund 900 Wp) |
|---|---|
| senkrecht am Balkongeländer, Süd | 500 bis 550 kWh |
| senkrecht, Ost oder West | 380 bis 450 kWh |
| aufgeständert 20°, Süd | 800 bis 855 kWh |
| flach auf dem Garagendach | 700 bis 750 kWh |
Das Umweltbundesamt rechnet in seinem Beispiel mit 532 Kilowattstunden für ein senkrecht montiertes 800-Watt-Gerät. Wie diese Werte zustande kommen und was Verschattung, Winter und Ausrichtung damit machen, steht im Ratgeber wie viel Strom ein Balkonkraftwerk erzeugt.
Der entscheidende Faktor: was im Haus bleibt
Hier entscheidet sich alles. Ein Balkonkraftwerk erzeugt seine Spitze mittags, wenn die Sonne hoch steht. Der Haushalt verbraucht zu dieser Zeit oft am wenigsten, denn die Bewohner sind bei der Arbeit oder in der Schule. Was übrig bleibt, fließt ins Netz.

Der Mittagsberg ist höher als die Grundlast: Genau die Fläche zwischen beiden Linien geht unvergütet ins Netz und bestimmt, wie viel von der Erzeugung überhaupt Geld wird.
Die Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin hat für ihren Stecker-Solar-Simulator 1,3 Millionen Jahressimulationen mit 41 Haushaltslastprofilen gerechnet. Ein Ergebnis daraus: Die Dauerlast in durchschnittlichen Wohnungen liegt meist deutlich unter 100 Watt, in Einfamilienhäusern etwas höher. Ein Wechselrichter, der mittags 700 Watt liefert, hat also mehr als das Sechsfache dessen im Angebot, was das Haus gerade abnimmt.
Typische Eigenverbrauchsanteile:
| Situation | Eigenverbrauchsanteil |
|---|---|
| Berufstätige, tagsüber niemand zu Hause | 25 bis 35 % |
| Durchschnittshaushalt, gemischte Nutzung | 35 bis 50 % |
| Homeoffice oder Familie mit Tagespräsenz | 50 bis 65 % |
| mit Speicher | 70 bis 85 % |
Das Umweltbundesamt setzt in seinem Beispiel 45 Prozent an, was für ein senkrecht montiertes Gerät gut passt: Die senkrechte Montage hat zwar weniger Gesamtertrag, verteilt ihn aber breiter über den Tag mit zwei flachen Spitzen am Vormittag und Nachmittag. Ausgerechnet die schlechtere Ausrichtung liefert damit den besseren Eigenverbrauchsanteil.
Was am Ende übrig bleibt
Setzt man beide Tabellen zusammen, ergibt sich die Bandbreite, in der sich reale Balkonkraftwerke bewegen. Alle Werte bei 37 Cent je Kilowattstunde.
| Montage | Ertrag | 35 % | 50 % | 75 % (mit Speicher) |
|---|---|---|---|---|
| senkrecht Geländer, Süd | 530 kWh | 69 € | 98 € | 147 € |
| flach auf Garagendach | 700 kWh | 91 € | 130 € | 194 € |
| aufgeständert 20°, Süd | 850 kWh | 110 € | 157 € | 236 € |
Die realistische Mitte für ein Gerät ohne Speicher liegt damit bei 90 bis 160 Euro im Jahr. Die 300 Euro aus der Werbung setzen einen hohen Ertrag, einen sehr hohen Eigenverbrauch und einen Strompreis über 40 Cent gleichzeitig voraus.
Ein Beispiel zum Nachrechnen: Ein Haushalt mit 900-Wp-Modulen aufgeständert auf der Terrasse, 820 kWh Ertrag, Homeoffice an drei Tagen, Eigenverbrauchsanteil 55 Prozent, Strompreis 39 Cent.
820 × 0,55 × 0,39 € = 176 Euro im Jahr
Wann sich die Anlage bezahlt gemacht hat
Die Amortisation ist die Anschaffung geteilt durch die jährliche Ersparnis. Da beim Balkonkraftwerk kaum laufende Kosten anfallen, ist die Rechnung angenehm kurz.
| Anschaffung | Ersparnis/Jahr | Amortisation |
|---|---|---|
| 400 € (Set, senkrecht montiert) | 90 € | 4,4 Jahre |
| 500 € (Set mit Aufständerung) | 130 € | 3,8 Jahre |
| 650 € (Set mit hochwertiger Halterung) | 160 € | 4,1 Jahre |
| 1.200 € (Set mit Speicher) | 200 € | 6,0 Jahre |
Das Umweltbundesamt kommt für sein Beispiel mit 400 Euro Anschaffung und knapp 90 Euro Ersparnis auf knapp fünf Jahre. Danach läuft die Anlage weiter: Module halten laut UBA 20 bis 30 Jahre, und ihre Herstellung haben sie energetisch nach ein bis zwei Jahren wieder eingespielt.
Über eine angenommene Laufzeit von 20 Jahren steht einem Set für 500 Euro damit eine Ersparnis von rund 2.600 Euro gegenüber, selbst wenn der Strompreis konstant bliebe. Ein Wechselrichtertausch nach etwa 10 bis 15 Jahren ist dabei einkalkuliert und kostet bei Mikrowechselrichtern üblicherweise 100 bis 200 Euro.
Was ein Speicher zusätzlich bringt
Ein Speicher schiebt den Mittagsüberschuss in den Abend und hebt den Eigenverbrauchsanteil von 35 bis 45 auf 70 bis 85 Prozent. Bei einem Ertrag von 800 Kilowattstunden sind das rund 250 zusätzlich genutzte Kilowattstunden, also etwa 90 Euro mehr im Jahr.
Dem stehen die Kosten gegenüber. Speicher für Balkonkraftwerke liegen je nach Kapazität bei 500 bis 1.500 Euro. Rechnerisch braucht ein Gerät für 800 Euro damit rund neun Jahre, bis es sich allein getragen hat. Moderne LiFePO4-Zellen schaffen etwa 6.000 Ladezyklen, bei einem Zyklus pro Tag entspricht das gut 16 Jahren. Die Rechnung geht also auf, der Puffer ist allerdings schmaler als bei der Anlage selbst.
Der Speicher lohnt sich am ehesten, wenn dein Eigenverbrauchsanteil ohne ihn niedrig ist. Wer ohnehin schon 60 Prozent nutzt, kauft mit dem Speicher nur noch einen kleinen Rest dazu.
Fünf Hebel, die die Ersparnis erhöhen
Der Eigenverbrauchsanteil ist der einzige Faktor, den du im Alltag ohne Geld beeinflussen kannst. Diese fünf Maßnahmen wirken am stärksten:
- Große Verbraucher in die Mittagszeit legen. Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner per Zeitvorwahl auf 11 bis 15 Uhr. Ein Waschgang mit 0,8 kWh, der komplett aus der Sonne kommt, spart 30 Cent.
- Grundlast anheben statt senken. Der Kühlschrank läuft ohnehin. Ein Warmwasserboiler oder eine Umwälzpumpe mit Zeitschaltuhr auf Mittag verlagert Verbrauch in die Erzeugungsstunden.
- Ost-West statt Süd montieren. Zwei gegeneinander geneigte Module liefern insgesamt etwas weniger, verteilen die Erzeugung aber über Morgen und Abend. Die Details stehen im Ratgeber zur Aufständerung auf dem Flachdach.
- Eine schaltbare Steckdose mit Messfunktion nutzen. Sie zeigt, wann wirklich Überschuss da ist. Wer seinen Verlauf einmal gesehen hat, verschiebt Verbräuche gezielter als nach Gefühl.
- Standby-Fresser ausschalten. Das senkt zwar den Eigenverbrauchsanteil rechnerisch, spart aber echtes Geld, weil diese Geräte auch nachts aus dem Netz ziehen.
Was die Ersparnis schmälert
Drei Posten ziehen an der Rechnung, und alle drei sind kleiner als befürchtet.
Der Eigenverbrauch des Wechselrichters liegt laut Datenblättern aktueller Mikrowechselrichter zwischen 20 Milliwatt und rund 1 Watt im Nachtstandby. Übers Jahr sind das 0,1 bis 4 Kilowattstunden, also unter einem Prozent der Erzeugung.
Die Degradation der Module beträgt rund 0,5 Prozent pro Jahr. Nach 20 Jahren liefern sie noch etwa 90 Prozent der Anfangsleistung. Hersteller garantieren diesen Wert meist über eine Leistungsgarantie ab.
Verschmutzung kostet je nach Neigung 2 bis 10 Prozent. Senkrecht montierte Module bleiben von selbst sauber, flach liegende sammeln Schmutzränder. Eine Reinigung mit klarem Wasser einmal im Jahr genügt.
Und ein Posten fehlt in der Rechnung ganz: der eingespeiste Überschuss. Eine Einspeisevergütung ist für Steckersolargeräte rechtlich zwar denkbar, praktisch scheitert sie am Aufwand für Zähler und Abrechnungsvertrag. Bei jährlichen Beträgen im niedrigen einstelligen Eurobereich verzichten beide Seiten darauf.
Fazit
Ein Balkonkraftwerk spart realistisch 90 bis 160 Euro im Jahr, mit guter Aufständerung und hohem Tagesverbrauch auch über 200 Euro. Die Anschaffung von 400 bis 500 Euro hat sich damit nach drei bis sechs Jahren getragen, und danach liefert die Anlage noch anderthalb bis zwei Jahrzehnte.
Der größte Hebel liegt dabei im Tagesablauf: Jeder Prozentpunkt mehr Eigenverbrauch zahlt direkt auf die Ersparnis ein. Wer Waschmaschine und Spülmaschine konsequent in die Mittagsstunden legt, holt aus derselben Anlage schnell 30 Euro mehr heraus als der Nachbar. Steht die Anlage noch nicht, ist der Ratgeber zum Anschließen des Balkonkraftwerks der nächste Schritt.
Häufige Fragen
Wie viel Geld spart ein Balkonkraftwerk im Jahr?
Realistisch 70 bis 220 Euro, gerechnet mit einem Strompreis von 37 Cent je Kilowattstunde. Die Spanne entsteht aus zwei Faktoren: der Montage, die über den Ertrag entscheidet, und dem Eigenverbrauchsanteil. Ein senkrecht am Geländer hängendes Gerät mit rund 530 kWh Jahresertrag und 35 Prozent Eigenverbrauch bringt etwa 69 Euro. Aufgeständert im Garten mit 850 kWh und 50 Prozent Eigenverbrauch sind es rund 157 Euro.
Wie viel Strom spart ein Balkonkraftwerk?
Gespart wird genau der Anteil, den du im Moment der Erzeugung selbst verbrauchst. Bei einem Jahresertrag von 700 Kilowattstunden und einem typischen Eigenverbrauchsanteil von 35 bis 50 Prozent bleiben 245 bis 350 Kilowattstunden im Haushalt. Der Rest fließt ins Netz und wird bei Steckersolargeräten üblicherweise nicht vergütet.
Wie berechne ich meine Ersparnis selbst?
Mit drei Zahlen: Jahresertrag in Kilowattstunden mal Eigenverbrauchsanteil mal deinem Strompreis. Beispiel: 700 kWh mal 0,45 mal 0,37 Euro ergibt rund 117 Euro im Jahr. Den Strompreis findest du auf deiner letzten Jahresabrechnung als Arbeitspreis in Cent je Kilowattstunde. Den Ertrag schätzt du über die Montageart ab.
Nach wie vielen Jahren hat sich ein Balkonkraftwerk bezahlt gemacht?
Bei einem Komplettset für 400 bis 500 Euro und einer Ersparnis von 90 bis 150 Euro im Jahr sind es rund drei bis sechs Jahre. Das Umweltbundesamt rechnet für ein senkrecht montiertes 800-Watt-Gerät mit 400 Euro Anschaffungskosten und knapp 90 Euro Ersparnis eine Amortisation von knapp fünf Jahren. Da die Module 20 bis 30 Jahre halten, folgen danach viele Jahre reiner Gewinn.
Lohnt sich ein Speicher für die Ersparnis?
Er erhöht den Eigenverbrauch deutlich, oft von 35 bis 45 auf 70 bis 80 Prozent, und damit die jährliche Ersparnis um grob 60 bis 90 Euro. Rechnerisch braucht ein Speicher für 700 bis 1.000 Euro damit rund acht bis zwölf Jahre, bis er sich selbst getragen hat. Bei einer Zyklenfestigkeit moderner LiFePO4-Zellen von etwa 6.000 Ladezyklen ist das machbar, der Puffer ist aber schmal.
Bekomme ich Geld für den eingespeisten Strom?
In aller Regel nein. Für Steckersolargeräte ist eine Einspeisevergütung zwar rechtlich möglich, praktisch scheitert sie am Aufwand: Es bräuchte einen Zweirichtungszähler mit getrennter Erfassung und einen Abrechnungsvertrag mit dem Netzbetreiber. Bei Beträgen im niedrigen einstelligen Eurobereich pro Jahr lohnt das für keine Seite. Der Überschuss geht deshalb unvergütet ins Netz.
Wie viel CO2 spart ein Balkonkraftwerk?
Das Umweltbundesamt nennt für ein Steckersolargerät rund 7,3 Tonnen CO2 über 20 Jahre Laufzeit. Die Energie, die für Herstellung und spätere Entsorgung nötig ist, haben die Module nach etwa ein bis zwei Betriebsjahren wieder eingespielt. Anders als bei der Geldersparnis zählt hier der gesamte erzeugte Strom, auch der eingespeiste Anteil.
Muss ich die Ersparnis versteuern?
Nein. Seit dem 1. Januar 2023 gilt für Photovoltaikanlagen bis 30 Kilowattpeak eine Einkommensteuerbefreiung, und auf den Kauf von Anlage und Speicher fällt der Umsatzsteuersatz von null Prozent an. Für ein Balkonkraftwerk bedeutet das: kein Gewerbe, keine Steuererklärung für die Anlage, kein Vorsteuerabzug nötig.
Sinkt die Ersparnis über die Jahre?
Die Module verlieren durch Alterung rund 0,5 Prozent Leistung pro Jahr, nach 20 Jahren liefern sie also noch etwa 90 Prozent. Diesem kleinen Rückgang steht die Entwicklung des Strompreises gegenüber, die in die andere Richtung wirken kann. Der weit größere Hebel bleibt dein Verbrauchsverhalten, denn ein um zehn Punkte höherer Eigenverbrauchsanteil bringt mehr als zwei Jahrzehnte Degradation kosten.