Photovoltaik-Brand löschen: Abstände, Regeln, Mythen

Wie ein Brand an einer PV-Anlage gelöscht wird: Abstände nach DIN VDE 0132, warum der Gleichstromteil unter Spannung bleibt und was Bewohner tun sollten.

Solar-Wissen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Kaum ein Thema rund um Photovoltaik hält sich so hartnäckig wie der Satz, die Feuerwehr lasse Häuser mit Solaranlage kontrolliert abbrennen. Er stimmt nicht, und die Regeln dahinter sind klar geschrieben. Was tatsächlich gilt, steht in zwei Dokumenten: in der DIN VDE 0132 zur Brandbekämpfung im Bereich elektrischer Anlagen und in der DGUV Information 205-018 zum Einsatz an Photovoltaikanlagen.

Der Mythos zuerst

Die Vorstellung, Einsatzkräfte hielten bei Solaranlagen Abstand und ließen das Gebäude bewusst niederbrennen, stammt aus den frühen Jahren der Photovoltaik. Damals war Solartechnik auf Dächern neu, und in Einsatzberichten tauchten Formulierungen auf, die später als Regel weitergegeben wurden.

Die Fachverbände haben dem seit langem widersprochen. Für die Feuerwehr ist eine Photovoltaikanlage eine elektrische Anlage, für die dieselben Regeln gelten wie für einen Verteilerschrank oder eine Ladestation: definierte Abstände, definierte Löschmittel, gegebenenfalls Hinzuziehen einer Elektrofachkraft. Genau das steht in den einschlägigen Regelwerken, und genau danach wird gearbeitet.

Was tatsächlich passiert: Der Innenangriff kann eingeschränkt werden, das Öffnen der Dachfläche wird an der Modulfläche vermieden, und in der Nachbereitung dauert es länger, bis eine Anlage als sicher gilt. Nichts davon bedeutet, dass nicht gelöscht wird.

Warum sich eine Anlage nur halb abschalten lässt

Hier steckt die eigentliche Besonderheit, und sie ist rein physikalischer Natur. Ein Solarmodul ist eine Stromquelle, die auf Licht reagiert. Es gibt keinen Schalter, der die Zellen stilllegt.

Zweiteilige Grafik. Oben ein schematischer Hausschnitt: Auf der rechten Dachfläche liegen Solarmodule, die von Tageslicht getroffen werden. Von dort führt eine amberfarbene Gleichstromleitung in das Gebäude hinunter zum Wechselrichter, dieser gesamte Abschnitt ist als dauerhaft spannungsführend markiert. Vom Wechselrichter führt eine blaue Wechselstromleitung über eine eingezeichnete Trennstelle zum Zählerschrank und von dort zum Netz, dieser Abschnitt ist freischaltbar. Am Zählerschrank hängt ein Warnschild mit der Aufschrift PV als Kennzeichnung am Übergabepunkt. Unten eine Abstandsskala von 0 bis über 6 Meter mit drei Zonen: eine schraffierte Verbotszone unter einem Meter, die Sprühstrahlzone von einem bis fünf Metern und die Vollstrahlzone ab fünf Metern, dazu je ein Strahlrohr mit Sprühkegel und mit geradem Vollstrahl.

Daraus folgt die Zweiteilung jeder Anlage:

AbschnittSpannungIm Brandfall
Module und DC-Leitung bis zum Wechselrichterbis 1.000 V, bei Hausanlagen typisch 400 bis 800 Vbleibt bei Tageslicht bestehen
AC-Leitung vom Wechselrichter zum Zähler und zum Netz230 bzw. 400 Vüber die Trennstelle spannungsfrei

Die Gleichstromleitung ist dabei der kritische Teil, weil sie durch das Gebäude verläuft. Genau darum verlangt die Anwendungsregel VDE-AR-E 2100-712 eine Kennzeichnung am Übergabepunkt der elektrischen Anlage, also am Hausanschlusskasten oder an der Hauptverteilung, plus einen Übersichtsplan. Einsatzkräfte erkennen daran in Sekunden, wo im Haus spannungsführende Leitungen liegen.

Einen dritten Weg gibt es: Anlagen mit modulnaher Abschaltung. Dabei sitzt an jedem Modul ein Schaltelement, das den Strang auf ungefährliche Spannung herunterfährt, sobald der Wechselrichter abschaltet. In Deutschland ist das für Wohngebäude keine Pflicht, in einigen anderen Ländern schon. Wer neu baut und Wert darauf legt, findet die Funktion bei Leistungsoptimierern und bei Wechselrichtern mit modulbasierter Elektronik.

Die Abstände nach DIN VDE 0132

Die zentrale Zahl ist ein Meter. Zu elektrischen Anlagen bis 1.000 Volt Wechselspannung und 1.500 Volt Gleichspannung ist das der Mindestabstand, der auch bei der Menschenrettung gilt. Fürs Löschen kommen die Werte für das genormte CM-Strahlrohr bei 5 bar hinzu:

StrahlartMindestabstandWarum
Sprühstrahl1 mdie Wassersäule ist in Tropfen zerteilt und leitet schlecht
Vollstrahl5 mder geschlossene Strahl bildet einen leitenden Pfad

Der physikalische Hintergrund ist einfach. Reines Wasser leitet kaum, Löschwasser mit gelösten Salzen schon. Entscheidend ist die Frage, ob eine durchgehende Wassersäule zwischen Anlage und Strahlrohr steht. Der Sprühstrahl zerlegt sie in Tropfen, der Vollstrahl hält sie zusammen, und deshalb braucht er die fünffache Strecke.

Für Privatleute ist diese Tabelle keine Handlungsanweisung. Sie gilt für ausgebildete Kräfte mit genormtem Gerät und bekanntem Druck. Wer mit dem Gartenschlauch auf ein brennendes Dach zielt, kennt weder den Druck noch die Strahlform und steht meist deutlich zu nah.

Womit gelöscht wird

SituationLöschmittelHinweis
Brand im Bereich der Module und DC-LeitungenWasser, Sprüh- oder Vollstrahl mit AbstandStandardvorgehen der Feuerwehr
Kleinbrand im Freien, Anlagenteiletragbarer Pulverlöscher ABC oder ABim Außenbereich vertretbar
Defekt in einer elektrischen Verteilung im RaumKohlendioxidlöscherrückstandsfrei, kein Wasserschaden
Spannungsführende Anlagekein SchaumSchaummittel erhöht die Leitfähigkeit

Bei Bränden, an denen ein Batteriespeicher beteiligt ist, verschiebt sich die Lage noch einmal, weil dort die Kühlung der Zellen im Vordergrund steht. Was dabei abläuft und welche Abstände für Speicher gelten, steht unter Brandgefahr beim Balkonkraftwerk-Speicher.

Was Einsatzkräfte sonst beschäftigt

Neben der Spannung kommen drei praktische Punkte dazu, die den Einsatz an einem PV-Dach von einem normalen Dachstuhlbrand unterscheiden:

  • Herabstürzende Teile. Hitze löst Klemmen und Schienen. Module rutschen dann als Ganzes ab, oder das Glas splittert und fällt in Stücken. Der Bereich unter der Dachfläche wird deshalb frühzeitig geräumt.
  • Eingeschränkte Dachöffnung. Ein belegtes Dach lässt sich zur Rauchabführung nicht an beliebiger Stelle öffnen. Der Angriff verlagert sich auf freie Flächen, was Zeit kostet.
  • Elektrofachkraft zur Einsatzstelle. Steht bei der Alarmierung schon fest, dass eine PV-Anlage betroffen ist, wird üblicherweise sofort eine Elektrofachkraft nachgefordert, die den Zustand der Anlage beurteilt und die Freischaltung übernimmt.

Ein weiterer Punkt betrifft die Nacht. Ohne Licht liefert eine Anlage praktisch keinen Strom mehr, die Gefährdung sinkt also deutlich. Die Beleuchtung der Einsatzstelle selbst kann die Module allerdings wieder in Betrieb setzen, moderne Flutlichtanlagen erreichen dafür ausreichende Helligkeit. Die Abstände gelten deshalb rund um die Uhr.

Was deine Anlage dafür mitbringen sollte

Drei Dinge erleichtern den Einsatz erheblich, und alle drei sind eine Sache der Installation:

  1. Kennzeichnung am Übergabepunkt. Ein Warnschild am Hausanschlusskasten oder an der Hauptverteilung, das auf die PV-Anlage hinweist. Nach VDE-AR-E 2100-712 gehört es dorthin, und es kostet wenige Euro.
  2. Übersichtsplan. Eine Skizze, aus der hervorgeht, wo Module, DC-Leitungen, Wechselrichter und Trennstellen sitzen. Sie liegt beim Zählerschrank oder in der Anlagendokumentation.
  3. Zugängliche Trennstelle. Der AC-Leitungsschutzschalter des Wechselrichters sollte beschriftet und erreichbar sein. Wenn ein DC-Lasttrennschalter vorhanden ist, gilt dasselbe für ihn.

Bei älteren Anlagen fehlt das oft. Nachrüsten ist unkompliziert: Schild anbringen, Plan zeichnen, Sicherung beschriften. Wer eine Anlage im Bestand übernimmt, sollte das zusammen mit der Meldung im Marktstammdatenregister erledigen, das Vorgehen dort steht unter Marktstammdatenregister ändern.

Was du im Ernstfall tun solltest

  1. Gebäude verlassen, Türen hinter dir schließen, niemanden zurücklassen.
  2. 112 rufen und ausdrücklich sagen: Photovoltaikanlage vorhanden, und wo Wechselrichter und Gleichstromleitung liegen.
  3. Keine eigenen Löschversuche am Dach, an der DC-Leitung oder am Wechselrichter.
  4. Wenn es gefahrlos möglich ist und auf dem Weg nach draußen liegt: den Leitungsschutzschalter des Wechselrichters ausschalten. Das macht die AC-Seite spannungsfrei, die DC-Seite bleibt aktiv.
  5. Den Einsatzkräften die Anlagendokumentation aushändigen, sobald sie eintreffen.

Punkt 2 ist der wichtigste. Eine Anlage, von der die Leitstelle weiß, wird anders disponiert als eine, die erst vor Ort auffällt.

Nach dem Brand bleibt die Anlage aktiv

Ein häufig unterschätzter Punkt. Sobald das Feuer aus ist, ist die Anlage elektrisch weiter da. Beschädigte Module liefern bei Tageslicht Spannung, und an aufgerissenen Leitungen liegen dann blanke Kontakte frei. Dazu kommen Glasbruch und Befestigungen, die durch Hitze ihre Vorspannung verloren haben.

Daraus folgt: Der Rückbau gehört in fachliche Hände, und zwar auch dann, wenn nur einzelne Module betroffen sind. Für die Module selbst gilt danach die getrennte Entsorgung als Elektroaltgerät, die Wege und Kosten dazu stehen unter Solarmodule entsorgen.

Wie oft es wirklich brennt

TÜV Rheinland und das Fraunhofer ISE haben die Brandrisiken deutscher PV-Anlagen gemeinsam untersucht und 2015 einen Leitfaden veröffentlicht. Die Zahlen aus dieser Auswertung:

KennzahlWert
dokumentierte Brände mit PV als Ursacherund 210
davon Schaden auf die Anlage begrenztrund 130
davon Gebäude betroffenrund 80
installierte Anlagen im Bezugszeitraumüber 1,5 Millionen

Als häufigste Ursache nennt die Untersuchung Installationsfehler, gefolgt von Produkt- und Planungsmängeln. Für die kommenden Jahre erwarten die Autoren steigende Zahlen, weil der Anlagenbestand altert: Isolationsfehler, Kontaktprobleme und wachsende Übergangswiderstände treten mit der Betriebszeit häufiger auf.

Der praktische Schluss daraus betrifft die Steckverbinder. Erwärmte Kontakte an gemischten Steckerfabrikaten sind ein bekannter Auslöser, und das lässt sich bei der Installation vermeiden. Die Regel dazu steht unter Solarmodul-Stecker. Wie sich ein beginnender Defekt am Wechselrichter ankündigt, steht unter Wechselrichter defekt.

Balkonkraftwerk: der einfache Fall

Bei einem Steckersolargerät entschärft sich die Lage deutlich. Die Gleichstromseite besteht aus ein bis vier Modulen mit je 30 bis 50 Volt Leerlaufspannung, die Leitungen sind kurz und liegen außen. Die Wechselstromseite hängt an einer Steckdose.

Damit gilt: Stecker ziehen trennt die AC-Seite vollständig, und die verbleibende DC-Spannung eines einzelnen Moduls ist niedrig. Der Brandfall sieht damit aus wie bei jedem anderen Gerät am Balkon. Der Rest bleibt gleich: Raum verlassen, 112 rufen, keine eigenen Löschversuche an den Modulen.

Kommt ein Speicher dazu, ändert sich das Bild, weil Lithiumzellen eine eigene Dynamik haben. Was dort passiert, steht unter Brandgefahr beim Balkonkraftwerk-Speicher.

Fazit

Brände an Photovoltaikanlagen werden gelöscht, nach geschriebenen Regeln und mit eingeübten Verfahren. Der entscheidende Unterschied zu anderen Gebäudebränden liegt in der Gleichstromseite: Module lassen sich nicht abschalten, und ihre Leitung führt durchs Haus, solange es hell ist.

Daraus leiten sich die Abstände ab, die DIN VDE 0132 vorgibt: ein Meter zu Anlagen bis 1.000 Volt Wechsel- und 1.500 Volt Gleichspannung, ein Meter beim Sprühstrahl und fünf Meter beim Vollstrahl. Gelöscht wird mit Wasser, Schaum gehört nicht auf spannungsführende Anlagen.

Was du selbst beitragen kannst, ist unspektakulär und wirksam: ein Warnschild am Hausanschluss, ein Übersichtsplan in der Dokumentation, eine beschriftete Trennstelle. Und im Ernstfall der Satz am Telefon, dass hier eine Photovoltaikanlage steht.

Häufige Fragen

Kann die Feuerwehr ein Haus mit Photovoltaik löschen?

Ja, und sie tut es auch. Eine PV-Anlage ist für die Feuerwehr eine elektrische Anlage wie eine Trafostation oder ein Elektroverteiler, und dafür gibt es seit Jahrzehnten eingeübte Verfahren. Die DIN VDE 0132 regelt die Abstände, die DGUV Information 205-018 das Vorgehen. Beides setzt voraus, dass die Einsatzkräfte wissen, dass eine Anlage vorhanden ist, deshalb ist die Kennzeichnung am Hausanschluss so wichtig.

Welchen Abstand muss man beim Löschen einhalten?

Nach DIN VDE 0132 gilt zu elektrischen Anlagen bis 1.000 Volt Wechselspannung und 1.500 Volt Gleichspannung ein Mindestabstand von einem Meter. Beim Löschen mit dem CM-Strahlrohr bei 5 bar Druck sind es ein Meter im Sprühstrahl und fünf Meter im Vollstrahl. Der Unterschied liegt an der Wassersäule: Ein zerteilter Sprühstrahl leitet Strom deutlich schlechter als ein geschlossener Vollstrahl.

Lässt sich eine PV-Anlage im Brandfall abschalten?

Nur zur Hälfte. Die Wechselstromseite hinter dem Wechselrichter wird über die Trennstelle im Zählerschrank spannungsfrei. Die Gleichstromleitung von den Modulen bis zum Wechselrichter führt weiter Spannung, solange Licht auf die Module fällt, weil sich ein Solarmodul physikalisch nicht abschalten lässt. Nur Anlagen mit modulnaher Abschaltung oder einem eigenen Feuerwehrschalter machen auch diesen Teil stromlos.

Ist eine PV-Anlage nachts gefahrlos?

Weitgehend, aber nicht vollständig. Bei Dunkelheit fließt praktisch kein Strom mehr, damit sinkt die Gefährdung stark. Eigene Beleuchtung an der Einsatzstelle setzt die Module allerdings wieder in Betrieb, und moderne Flutlichtanlagen liefern durchaus messbare Leistung. Die Abstände werden deshalb auch nachts eingehalten.

Womit wird ein PV-Brand gelöscht?

Mit Wasser, unter Einhaltung der genormten Abstände. Im Außenbereich kommen auch tragbare Pulverlöscher mit ABC- oder AB-Pulver infrage, bei Defekten in elektrischen Verteilungen innerhalb von Räumen Kohlendioxidlöscher. Schaum gehört ausdrücklich nicht auf spannungsführende Anlagen, weil das Schaummittel die Leitfähigkeit des Wassers erhöht.

Wie oft brennt es wegen einer Photovoltaikanlage?

Selten. Ein gemeinsames Projekt von TÜV Rheinland und Fraunhofer ISE dokumentierte über mehrere Jahre rund 210 Brände, bei denen eine PV-Anlage die Ursache war, bei damals über 1,5 Millionen Anlagen in Deutschland. In etwa 130 Fällen blieb der Schaden auf die Anlage begrenzt, in rund 80 Fällen war das Gebäude betroffen. Häufigste Ursache waren Installationsfehler.

Was soll ich als Bewohner tun, wenn es brennt?

Gebäude verlassen, Türen schließen, 112 rufen und der Leitstelle ausdrücklich sagen, dass eine Photovoltaikanlage vorhanden ist und wo Wechselrichter und Gleichstromleitung liegen. Keine eigenen Löschversuche am Dach oder an der DC-Leitung. Wenn es gefahrlos möglich ist, kann der Wechselrichter über die zugehörige Sicherung vom Netz getrennt werden, das macht allerdings nur die AC-Seite stromlos.

Sind Module nach dem Brand noch gefährlich?

Ja, in zweierlei Hinsicht. Beschädigte Module liefern bei Tageslicht weiter Spannung, und an aufgerissenen Leitungen liegen dann blanke Kontakte frei. Dazu kommen scharfkantige Glasbruchstücke und durch Hitze gelöste Befestigungen, die nachrutschen können. Der Rückbau gehört in fachliche Hände, die Module anschließend in die getrennte Entsorgung.

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