Auf jedem Angebot steht eine Zahl in Kilowattpeak, und die sagt zunächst wenig darüber, wie viel Strom am Ende im Haus ankommt. Der Schlüssel dazu heißt spezifischer Ertrag: Kilowattstunden je Kilowattpeak und Jahr. Mit einer einzigen Multiplikation wird daraus eine belastbare Erwartung für jede Anlagengröße.
Was der spezifische Ertrag aussagt
Kilowattpeak (kWp) beschreibt die Leistung der Module unter genormten Laborbedingungen, also bei 1.000 Watt Einstrahlung je Quadratmeter und 25 Grad Zelltemperatur. Das ist eine Typenschild-Angabe und noch keine Aussage über Strom.
Kilowattstunden je Kilowattpeak (kWh/kWp) übersetzt diese Leistung in Jahresertrag. Der Wert bündelt alles, was am Standort tatsächlich passiert: Sonnenstunden, Ausrichtung, Neigung, Temperatur, Verschattung und die Verluste in Kabeln und Wechselrichter.
Der große Vorteil dieser Kennzahl: Sie macht Anlagen vergleichbar. Eine Anlage mit 1.150 kWh/kWp arbeitet besser als eine mit 880 kWh/kWp, ganz gleich, ob 6 oder 25 Kilowattpeak auf dem Dach liegen. Für eine erste Prognose brauchst du deshalb nur zwei Zahlen.
Jahresertrag in kWh = Anlagengröße in kWp × spezifischer Ertrag in kWh/kWp
Ertragstabelle nach Anlagengröße
Die Tabelle zeigt drei Szenarien: einen schwachen Standort mit ungünstigerer Ausrichtung, den deutschen Mittelwert und einen guten Süddach-Standort in Süddeutschland.
| Anlagengröße | 900 kWh/kWp | 1.000 kWh/kWp | 1.100 kWh/kWp |
|---|---|---|---|
| 1 kWp | 900 kWh | 1.000 kWh | 1.100 kWh |
| 3 kWp | 2.700 kWh | 3.000 kWh | 3.300 kWh |
| 5 kWp | 4.500 kWh | 5.000 kWh | 5.500 kWh |
| 8 kWp | 7.200 kWh | 8.000 kWh | 8.800 kWh |
| 9 kWp | 8.100 kWh | 9.000 kWh | 9.900 kWh |
| 10 kWp | 9.000 kWh | 10.000 kWh | 11.000 kWh |
| 12 kWp | 10.800 kWh | 12.000 kWh | 13.200 kWh |
| 15 kWp | 13.500 kWh | 15.000 kWh | 16.500 kWh |
| 20 kWp | 18.000 kWh | 20.000 kWh | 22.000 kWh |
Zur Einordnung: Ein Vierpersonenhaushalt im Einfamilienhaus verbraucht typischerweise 3.500 bis 4.500 kWh im Jahr. Kommen Wärmepumpe und Elektroauto dazu, sind schnell 8.000 bis 12.000 kWh erreicht. Genau deshalb werden heute größere Anlagen gebaut als noch vor zehn Jahren.
Was eine 15-kWp-Anlage konkret liefert
15 Kilowattpeak sind eine typische Größe für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe, Elektroauto oder beidem. Auf dem Dach entspricht das etwa 33 bis 36 Modulen heutiger Bauart mit 430 bis 450 Watt und rund 75 Quadratmetern Fläche.
| Standort und Ausrichtung | spezifischer Ertrag | Jahresertrag |
|---|---|---|
| Norddeutschland, Ost-West | rund 850 kWh/kWp | etwa 12.750 kWh |
| Norddeutschland, Süddach | rund 950 kWh/kWp | etwa 14.250 kWh |
| Mitteldeutschland, Süddach | rund 1.000 kWh/kWp | etwa 15.000 kWh |
| Süddeutschland, Süddach | rund 1.100 kWh/kWp | etwa 16.500 kWh |
| Süddeutschland, optimal, verschattungsfrei | bis 1.160 kWh/kWp | etwa 17.400 kWh |
Die Spanne zwischen dem schwächsten und dem stärksten Fall beträgt rund 4.600 kWh im Jahr. Das ist mehr als der Jahresverbrauch eines ganzen Haushalts und zeigt, warum eine pauschale Zahl wenig taugt.
Wichtig für die Erwartung: Von diesen 15.000 kWh landet nur ein Teil direkt im eigenen Haus. Ohne Speicher liegt die Eigenverbrauchsquote üblicherweise bei 25 bis 35 Prozent, mit Speicher bei 55 bis 70 Prozent. Der Rest geht ins Netz.
Ausrichtung und Neigung
Beide Faktoren zusammen entscheiden über die letzten 20 bis 30 Prozent. Die Werte in der Tabelle beziehen sich auf ein Süddach mit 30 Grad Neigung als 100 Prozent.
| Ausrichtung | Neigung 30 bis 35° | Neigung 10 bis 15° |
|---|---|---|
| Süd | 100 % | 93 bis 96 % |
| Südost oder Südwest | 95 bis 97 % | 92 bis 95 % |
| Ost oder West einzeln | 80 bis 85 % | 85 bis 88 % |
| Ost-West kombiniert | 80 bis 90 % | 85 bis 90 % |
| Nord | 55 bis 65 % | 70 bis 75 % |
Zwei Punkte fallen dabei auf, die der reinen Prozentzahl widersprechen.
Flache Dächer verzeihen mehr. Je flacher die Module liegen, desto weniger macht die Himmelsrichtung aus. Bei 10 Grad Neigung liegen Ost und Süd nur wenige Prozentpunkte auseinander.
Ost-West ist besser als sein Ruf. Der Jahresertrag fällt zwar, doch die Erzeugung verteilt sich breiter über den Tag. Wer viel selbst verbraucht, holt über die höhere Eigenverbrauchsquote einen Teil des Verlusts zurück.
Wo du in Deutschland wohnst
Der Unterschied zwischen Flensburg und dem Alpenvorland beträgt gut 25 Prozent. Die Globalstrahlung nimmt von Nord nach Süd zu, und in Süddeutschland kommen im Winter mehr klare Hochdrucktage dazu.
| Region | typischer spezifischer Ertrag |
|---|---|
| Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen | 880 bis 960 kWh/kWp |
| Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen | 950 bis 1.020 kWh/kWp |
| Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt | 980 bis 1.060 kWh/kWp |
| Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen | 1.050 bis 1.160 kWh/kWp |
Die Werte gelten für gut ausgerichtete, verschattungsfreie Dachanlagen. Für eine Prognose an deiner konkreten Adresse liefert das kostenlose Rechenwerkzeug PVGIS der EU-Kommission Standortdaten auf Basis langjähriger Satellitenmessungen.
Wie sich der Ertrag über das Jahr verteilt
Die Jahressumme verdeckt, wie ungleich der Strom anfällt. Für die Planung von Speicher, Wärmepumpe und Eigenverbrauch ist genau diese Verteilung die wichtigere Information.

Ein Juli bringt rund siebenmal so viel wie ein Dezember: Die Sommermonate tragen den Jahresertrag fast allein.
| Zeitraum | Anteil am Jahresertrag | bei 10 kWp |
|---|---|---|
| Mai bis August | rund 53 % | etwa 5.300 kWh |
| März, April, September, Oktober | rund 35 % | etwa 3.500 kWh |
| November bis Februar | rund 12 % | etwa 1.200 kWh |
Daraus folgen zwei praktische Konsequenzen. Ein Hausspeicher überbrückt sinnvoll die Nacht, doch die dunkle Jahreszeit lässt sich damit nicht überbrücken. Und eine Wärmepumpe, die im Winter am meisten arbeitet, trifft genau dann auf den geringsten Solarertrag. Die vollständige Monatstabelle mit Werten für Nord und Süd und der Schwankung einzelner Monate steht im Ratgeber Photovoltaik-Ertrag pro Monat.
Warum die Nennleistung selten erreicht wird
Viele wundern sich, dass eine 10-kWp-Anlage im Sommer bei strahlendem Himmel nur 8 Kilowatt anzeigt. Dahinter stecken vier Effekte, die zusammen die sogenannte Performance Ratio ergeben. Sie liegt bei guten Anlagen zwischen 80 und 90 Prozent.
- Temperatur. Module werden im Sommer 50 bis 70 Grad warm. Je Grad über den genormten 25 Grad sinkt die Leistung um etwa 0,3 bis 0,4 Prozent. Bei 60 Grad Modultemperatur sind das schon 10 bis 14 Prozent.
- Wechselrichter. Die Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom kostet 2 bis 4 Prozent.
- Leitungen und Verschmutzung. Kabelverluste, Staub, Pollen und Vogelkot summieren sich auf 2 bis 5 Prozent.
- Einstrahlung. Die genormten 1.000 Watt je Quadratmeter werden in Deutschland nur an wenigen Stunden im Jahr erreicht.
Die höchsten Momentanleistungen erreichen Anlagen deshalb meist an kühlen, klaren Apriltagen und nicht in der Hochsommerhitze.
Auch über die Jahre verändert sich der Wert: Hersteller garantieren üblicherweise noch 85 bis 87 Prozent der Anfangsleistung nach 25 Jahren, was etwa 0,5 Prozent Verlust pro Jahr entspricht.
So prüfst du, ob deine Anlage im Soll liegt
Die Kennzahl taugt auch zur Kontrolle einer laufenden Anlage. Dafür brauchst du nur den Jahresertrag aus dem Wechselrichter oder dem Einspeisezähler.
spezifischer Ertrag = Jahresertrag in kWh ÷ Anlagengröße in kWp
Ein Beispiel: 8.400 kWh bei 9 kWp ergeben 933 kWh/kWp. Ob das gut oder schlecht ist, zeigt erst der Vergleich mit der Erwartung für den eigenen Standort und die eigene Ausrichtung. Liegt der Wert deutlich darunter, lohnt die Ursachensuche in dieser Reihenfolge:
- Verschmutzung. Pollen im Frühjahr, Staub, Vogelkot und Laub in der unteren Modulkante kosten je nach Lage 2 bis 5 Prozent.
- Neue Verschattung. Bäume wachsen, Nachbargebäude entstehen, eine Satellitenschüssel kam dazu. Ein Schatten, der über Mittag eine Modulreihe streift, kostet schnell 5 bis 15 Prozent.
- Einzelnes schwaches Modul. Bei Anlagen mit Optimierern oder Modulwechselrichtern lässt sich das direkt in der App ablesen. Woran sich ein Schaden erkennen lässt, steht im Artikel Defektes Solarmodul erkennen.
- Abschaltungen des Wechselrichters. Häufungen bei Hitze oder bei Netzspannung außerhalb des zulässigen Bandes zeigen sich im Ereignisprotokoll des Geräts.
- Das Wetterjahr. Ein trübes Jahr liegt ohne jeden Defekt 10 Prozent unter dem Mittel. Erst mehrere schwache Jahre in Folge sind ein belastbares Signal.
Ein sinnvoller Bezugspunkt ist immer das eigene Vorjahr: Dieselbe Anlage am selben Ort schließt alle Standortfaktoren als Erklärung aus.
Vom Ertrag zum tatsächlichen Nutzen
Der Jahresertrag allein sagt noch nichts über die Ersparnis. Entscheidend ist, welcher Anteil davon im eigenen Haus verbraucht wird, denn jede selbst genutzte Kilowattstunde spart den vollen Arbeitspreis, während für die Einspeisung nur die Vergütung fließt.
| Konstellation | Eigenverbrauchsquote |
|---|---|
| Anlage ohne Speicher, Haushalt tagsüber leer | 20 bis 25 % |
| Anlage ohne Speicher, Homeoffice oder Familie | 30 bis 35 % |
| Anlage mit Hausspeicher | 55 bis 70 % |
| Anlage mit Speicher, Wärmepumpe und Elektroauto | 65 bis 80 % |
Wie sich Erzeugung und Verbrauch bei einer kleinen Steckersolaranlage zueinander verhalten, rechnet der Artikel Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk im Detail durch. Was mit dem eingespeisten Überschuss am Zähler passiert, klärt Balkonkraftwerk: Zähler rückwärts.
Fazit
Für die schnelle Abschätzung reicht eine Zahl: 1.000 kWh je Kilowattpeak und Jahr. Damit liegst du an einem durchschnittlichen deutschen Standort mit ordentlicher Ausrichtung richtig, und die Multiplikation mit der Anlagengröße liefert sofort eine belastbare Hausnummer. 15 kWp ergeben so rund 15.000 kWh.
Für die echte Planung lohnt der zweite Schritt: Standort, Ausrichtung und Verschattung verschieben das Ergebnis um bis zu 30 Prozent nach oben oder unten. Und weil Mai bis August gut die Hälfte des Jahresertrags liefern, gehört zur Ertragsfrage immer die zweite dazu, nämlich wie viel von diesem Strom du zum richtigen Zeitpunkt selbst nutzen kannst.
Häufige Fragen
Wie viel kWh liefert 1 kWp Photovoltaik im Jahr?
In Deutschland liegt der spezifische Ertrag zwischen 800 und 1.200 kWh je Kilowattpeak und Jahr, im Mittel bei rund 1.000 kWh. Ein Kilowattpeak entspricht damit grob dem Jahresstromverbrauch einer sparsamen Einzelperson. Wo genau du landest, hängt an Standort, Ausrichtung, Neigung und Verschattung.
Wie viel Strom erzeugt eine 15-kWp-Anlage im Jahr?
Mit einem mittleren spezifischen Ertrag von 1.000 kWh/kWp sind es rund 15.000 kWh im Jahr. Der realistische Korridor reicht von etwa 13.500 kWh an einem norddeutschen Standort bis rund 16.500 kWh in Süddeutschland bei guter Südausrichtung. Zum Vergleich: Ein Vierpersonenhaushalt verbraucht typischerweise 3.500 bis 4.500 kWh.
Was bedeutet kWh/kWp?
Der Wert nennt den Jahresertrag je installiertem Kilowattpeak und heißt spezifischer Ertrag. Er macht Anlagen unterschiedlicher Größe vergleichbar: Zwei Anlagen mit 950 und 1.150 kWh/kWp unterscheiden sich in ihrer Qualität und Lage, unabhängig davon, ob 8 oder 20 kWp auf dem Dach liegen. Für eine Ertragsprognose multiplizierst du den Wert einfach mit der Anlagengröße.
Wie viel Ertrag verliert eine Ost-West-Anlage?
Eine Ost-West-Anlage kommt auf etwa 80 bis 90 Prozent des Ertrags einer optimal nach Süden ausgerichteten Anlage. Dafür verteilt sie die Erzeugung breiter über den Tag, mit Spitzen am Vormittag und am späten Nachmittag. Für den Eigenverbrauch ist das oft der bessere Verlauf, weil die Mittagsspitze im Haushalt selten gebraucht wird.
Warum erreicht meine Anlage nie die Nennleistung?
Die Nennleistung in Kilowattpeak wird unter Laborbedingungen gemessen: 1.000 Watt Einstrahlung je Quadratmeter bei 25 Grad Zelltemperatur. Im Sommer werden Module 50 bis 70 Grad warm, und je Grad über 25 sinkt die Leistung um etwa 0,3 bis 0,4 Prozent. Dazu kommen Verluste in Leitungen und Wechselrichter. Kurzzeitige Spitzenwerte nahe der Nennleistung gibt es meist an kühlen, klaren Frühlingstagen.
Welchen Ertrag bringt eine PV-Anlage im Winter?
Deutlich weniger als im Sommer. Auf die vier Monate November bis Februar entfallen zusammen nur rund 12 Prozent des Jahresertrags, auf die Monate Mai bis August dagegen etwa die Hälfte. Im Dezember liefert eine 10-kWp-Anlage im Schnitt etwa 200 kWh, im Juli rund 1.400 kWh. Schnee auf den Modulen kann die Erzeugung für einzelne Tage komplett stoppen.
Wie stark mindert Verschattung den Ertrag?
Das hängt an Dauer und Ort des Schattens. Ein Kamin, der über Mittag eine Modulreihe streift, kostet oft schon 5 bis 15 Prozent Jahresertrag, weil verschattete Zellen den Strom des gesamten Strangs begrenzen. Leistungsoptimierer oder Modulwechselrichter begrenzen den Schaden, weil dann jedes Modul für sich geregelt wird.
Wie genau sind Ertragsprognosen?
Eine seriöse Prognose auf Basis von Standortdaten trifft den langjährigen Mittelwert meist auf 5 bis 10 Prozent genau. Einzelne Jahre weichen davon deutlicher ab: Ein sonnenreiches Jahr kann 10 Prozent über dem Mittel liegen, ein trübes ebenso weit darunter. Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung zählt deshalb immer der Mittelwert über viele Jahre.