Das Angebot verspricht 12 Kilowattpeak, das Dach misst geschätzt 70 Quadratmeter, und die Frage liegt auf der Hand: Passt das überhaupt? Oder umgekehrt, bei einem Flachdach mit 120 Quadratmetern: Wie viel Leistung lässt sich darauf unterbringen, und wie viel Strom kommt am Ende heraus? Die Antwort hängt an zwei Zahlen, dem Wirkungsgrad der Module und der Dachform. Hier ist beides durchgerechnet.
Die Grundrechnung: der Wirkungsgrad bestimmt die Fläche
Wattpeak ist die Leistung eines Moduls unter Standardtestbedingungen, und dazu gehört eine Einstrahlung von 1.000 Watt je Quadratmeter. Daraus folgt eine sehr einfache Beziehung: Ein Modul mit 20 Prozent Wirkungsgrad liefert 200 Wattpeak je Quadratmeter, eines mit 23 Prozent liefert 230. Wie die Testbedingungen genau aussehen, steht im Ratgeber zum Watt-Peak.
Für ein Kilowattpeak brauchst du damit genau so viel Modulfläche, wie 1.000 geteilt durch die Wattpeak je Quadratmeter ergibt:
| Modulwirkungsgrad | Wattpeak je m² | Modulfläche je kWp | Modulfläche für 10 kWp |
|---|---|---|---|
| 15 % (typisch um 2010) | 150 | 6,7 m² | 67 m² |
| 18 % | 180 | 5,6 m² | 56 m² |
| 20 % | 200 | 5,0 m² | 50 m² |
| 22 % | 220 | 4,5 m² | 45 m² |
| 23 % (Neuware 2025) | 230 | 4,3 m² | 43 m² |
| 25 % (Spitzenmodule) | 250 | 4,0 m² | 40 m² |
Nach den Fakten zur Photovoltaik des Fraunhofer ISE stieg der Wirkungsgrad kommerzieller Siliziummodule aus neuer Produktion in den letzten Jahren um rund einen halben Prozentpunkt pro Jahr und erreichte 2025 knapp 23 Prozent. Spitzenmodule liegen etwa zehn Prozent darüber. Ein Dach, das vor fünfzehn Jahren für 6 Kilowattpeak reichte, trägt mit heutigen Modulen also rund 9.
Echte Module im Vergleich
Die Faustwerte bestätigen sich an den Datenblättern. Einige Module, die wir auf solarkasten.de rezensiert haben, dazu das verbreitete Standardformat:
| Modul | Maße | Fläche | Leistung | Wattpeak je m² | m² je kWp |
|---|---|---|---|---|---|
| Standardformat 108 Halbzellen | 1.722 × 1.134 mm | 1,95 m² | 440 bis 455 Wp | 225 bis 233 | 4,3 bis 4,4 |
| JA Solar JAM60D41-500 | 1.953 × 1.134 mm | 2,21 m² | 500 Wp | 226 | 4,4 |
| SunPro 480 Wp BC | 1.800 × 1.134 mm | 2,04 m² | 480 Wp | 235 | 4,3 |
| Kleines Kraftwerk Flex | 1.159 × 1.009 mm | 1,17 m² | 225 Wp | 192 | 5,2 |
Die großen Glas-Module liegen alle eng bei 4,3 bis 4,4 Quadratmetern je Kilowattpeak. Das Back-Contact-Modul holt durch seine Zelltechnik etwas mehr aus derselben Fläche. Flexible Leichtmodule brauchen spürbar mehr Platz, weil ihr Rand breiter und ihr Wirkungsgrad niedriger ist. Warum die Breite von 1.134 Millimetern bei fast allen Glas-Modulen gleich ist, steht im Ratgeber zur Solarmodul-Größe.
Vom Modul zur Dachfläche: das Schrägdach
Die Modulfläche ist die Untergrenze. Auf einem echten Dach geht immer etwas verloren: an den Rändern, zwischen den Modulen, an Schornstein, Dachfenster und Gaube. Wie viel, zeigt ein Rechenbeispiel.
Das Beispieldach: eine Süd-Dachhälfte mit 10,0 Metern Breite und 6,0 Metern Sparrenlänge, also 60 Quadratmetern. Wir lassen ringsum einen Randstreifen von 0,5 Metern frei und rechnen mit 2 Zentimetern Fuge zwischen den Modulen. Belegbar bleiben 9,0 × 5,0 Meter. Darauf kommen Standardmodule mit 1.722 × 1.134 Millimetern und 450 Wattpeak:
| Verlegung | Module je Reihe | Reihen | Module | Leistung | Dach je kWp |
|---|---|---|---|---|---|
| hochkant | 7 | 2 | 14 | 6,3 kWp | 9,5 m² |
| hochkant plus eine Querreihe | 7 + 5 | 3 | 19 | 8,6 kWp | 7,0 m² |
| quer | 5 | 4 | 20 | 9,0 kWp | 6,7 m² |
Die Verlegerichtung entscheidet hier über fast 3 Kilowattpeak. Hochkant passen nur zwei Reihen auf fünf Meter, quer passen vier. Welche Richtung auf dem eigenen Dach mehr bringt, hängt allein an den Maßen, und die Rechnung lohnt vor jedem Angebot.
Selbst im besten Fall sind nur 65 Prozent der Dachfläche mit Modulen bedeckt. Das ist ein realistischer Richtwert für ein einfaches Satteldach. Mit Dachfenstern, Schornstein oder Gauben sinkt er schnell auf 50 Prozent. Bei Reihenhäusern kommt der Abstand zur Brandwand dazu: Die Musterbauordnung sieht seit 2022 für Module, die höchstens 30 Zentimeter über der Dachhaut liegen, 0,5 Meter vor, sonst 1,25 Meter; ist die Brandwand über das Dach geführt, entfällt der Abstand. Maßgeblich ist die Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes, und nicht jedes Land hat die neue Regel schon übernommen.
Als Faustregel für die Planung taugt deshalb: Ein Schrägdach braucht rund 6 bis 7 Quadratmeter Dachfläche je Kilowattpeak, bei verwinkelten Dächern entsprechend mehr.
Flachdach: der Reihenabstand frisst die Fläche
Auf dem Flachdach werden Module aufgeständert, und damit kommt ein zweiter Faktor ins Spiel: Jede Reihe wirft einen Schatten, und die nächste Reihe darf erst dahinter beginnen. Maßgeblich ist der tiefste Sonnenstand. Am 21. Dezember steht die Sonne in der Mitte Deutschlands mittags nur gut 15 Grad über dem Horizont.
Für ein quer aufgeständertes Standardmodul (1,13 Meter Modultiefe, 450 Wattpeak) haben wir den Abstand so gerechnet, dass am Mittag des 21. Dezember keine Reihe die nächste verschattet:
| Aufstellung | Reihenabstand | Dachfläche je Modul | Dach je kWp | Jahresertrag je kWp |
|---|---|---|---|---|
| Süd, 10° | 0,72 m | 3,20 m² | 7,1 m² | 929 kWh |
| Süd, 15° | 1,07 m | 3,78 m² | 8,4 m² | 957 kWh |
| Süd, 20° | 1,42 m | 4,33 m² | 9,6 m² | 977 kWh |
| Süd, 30° | 2,07 m | 5,32 m² | 11,8 m² | 1.009 kWh |
| Ost-West, 10° | 0,30 m Gang je Paar | 2,21 m² | 4,9 m² | 852 kWh |
Jahreserträge nach PVGIS 5.3 für Kassel, 14 Prozent Verluste; den Wert für 20 Grad haben wir zwischen 15 und 25 Grad gemittelt. Die Rechnung gilt für die reine Modulfläche, Randabstände zur Attika und Wartungswege kommen dazu.
Das Ergebnis ist eindeutig: Eine Südaufständerung mit 30 Grad braucht fast zweieinhalbmal so viel Dach wie eine Ost-West-Belegung, bringt je Kilowattpeak aber nur 18 Prozent mehr. Wer viel Leistung auf begrenzter Fläche unterbringen will, wählt Ost-West. Wer wenig Module auf einem großen Dach optimal ausrichten möchte, wählt Süd. Wie Neigung, Ballast und Windlast auf dem Flachdach zusammenhängen, steht im Ratgeber zur Flachdach-Aufständerung.
Ertrag pro Quadratmeter
Beim Ertrag je Quadratmeter muss man sauber trennen, auf welche Fläche er sich bezieht. Die Modulfläche liefert den physikalischen Wert, die Dachfläche den praktischen.
Je Quadratmeter Modulfläche lässt sich der Wert aus drei Größen nachrechnen. Auf eine nach Süden geneigte Fläche mit 35 Grad fallen in Kassel laut PVGIS rund 1.268 Kilowattstunden Sonnenenergie je Quadratmeter und Jahr. Ein Modul mit 23 Prozent Wirkungsgrad wandelt davon 292 in Strom um. Nach Verlusten durch Wärme, Schräglicht, Kabel und Wechselrichter bleiben rund 234 Kilowattstunden. Das Fraunhofer ISE nennt für neue Anlagen einen mittleren Wirkungsgrad im Betrieb um 19 Prozent, bezogen auf die Einstrahlung.
| Bezugsfläche | Ertrag je m² und Jahr |
|---|---|
| Modulfläche, Süd 35°, Mitte Deutschlands | 234 kWh |
| Modulfläche, Süd 35°, München | rund 262 kWh |
| Modulfläche, Süd 35°, Kiel | rund 227 kWh |
| Dachfläche, Schrägdach Süd (Beispiel oben) | rund 152 kWh |
| Dachfläche, Flachdach Ost-West 10° | rund 174 kWh |
| Dachfläche, Flachdach Süd 15° | rund 114 kWh |
| Dachfläche, Flachdach Süd 30° | rund 85 kWh |
| Grundfläche Solarpark (Fraunhofer ISE) | rund 98 kWh |
Die Tabelle dreht ein bekanntes Bild um. Je Kilowattpeak ist das steil nach Süden geneigte Modul unschlagbar. Je Quadratmeter Dach gewinnt die flache Ost-West-Belegung, weil sie die Fläche fast lückenlos nutzt. Wie viel ein Kilowattpeak an anderen Standorten und in anderen Ausrichtungen liefert, steht im Ratgeber zum Photovoltaik-Ertrag pro kWp, die Verteilung über die Monate unter Photovoltaik-Ertrag pro Monat.
Wie viel Fläche für deinen Strombedarf?
Die Rückwärtsrechnung beginnt beim Verbrauch. Für ein Süddach mit 35 Grad in der Mitte Deutschlands (1.016 Kilowattstunden je Kilowattpeak) und Standardmodule mit 450 Wattpeak:
| Jahresstrommenge | nötige Leistung | Module (aufgerundet) | Modulfläche | Dachfläche Schrägdach |
|---|---|---|---|---|
| 2.500 kWh | 2,5 kWp | 6 (2,7 kWp) | 11,7 m² | rund 18 m² |
| 4.000 kWh | 3,9 kWp | 9 (4,05 kWp) | 17,6 m² | rund 27 m² |
| 6.000 kWh | 5,9 kWp | 14 (6,3 kWp) | 27,3 m² | rund 42 m² |
| 10.000 kWh | 9,8 kWp | 22 (9,9 kWp) | 43,0 m² | rund 66 m² |
Die Dachfläche ist mit 6,7 Quadratmetern je Kilowattpeak aus dem Rechenbeispiel oben angesetzt.
Zwei Einschränkungen gehören zu dieser Tabelle. Erstens deckt eine Anlage, die übers Jahr so viel erzeugt, wie der Haushalt verbraucht, den Verbrauch längst nicht zeitgleich: Im Sommer entsteht ein Überschuss, im Winter fehlt Strom. Zweitens lohnt es sich auf dem Einfamilienhaus meist, das Dach voll zu belegen: Gerüst, Planung und Anmeldung fallen ohnehin an, und jedes weitere Modul senkt die Kosten je Kilowattpeak. Wer dabei ein großes Dach komplett nutzt, landet schnell bei Größenordnungen, ab denen sich Steuer und Netzanschluss ändern; was dann gilt, steht unter Photovoltaik über 30 kWp.
Bei anderer Ausrichtung ändert sich der Flächenbedarf je Kilowattstunde: Ein Ost-West-Dach mit 15 Grad liefert je Kilowattpeak rund 17 Prozent weniger und braucht für dieselbe Strommenge entsprechend etwa ein Fünftel mehr Fläche. Ein flach geneigtes Norddach braucht rund 40 Prozent mehr.
Freifläche und Solarpark
Im großen Maßstab gelten dieselben Gesetze, nur mit größeren Abständen. Nach den Fakten zur Photovoltaik des Fraunhofer ISE werden neue Freiflächenanlagen meist mit 20 bis 25 Grad Neigung und so gewählten Reihenabständen gebaut, dass bei 22 Prozent Modulwirkungsgrad eine Belegungsdichte um 1 Megawattpeak je Hektar entsteht. 2010 lag der Wert bei 0,35 Megawattpeak je Hektar, fast ein Drittel davon.
Umgerechnet sind das 10 Quadratmeter Grundfläche je Kilowattpeak, also etwas weniger als ein Süd-Flachdach mit 30 Grad in unserer Rechnung. Mit rund 980 Megawattstunden je Hektar liefert ein Solarpark etwa 98 Kilowattstunden je Quadratmeter Grundfläche und Jahr. Größere Reihenabstände kosten Fläche, kommen nach dem ISE aber der Artenvielfalt auf der Fläche zugute.
Fazit
Für die schnelle Abschätzung reichen drei Zahlen. Ein Kilowattpeak braucht mit heutigen Modulen rund 4,4 Quadratmeter Modulfläche, auf dem Schrägdach mit Randabständen etwa 6 bis 7 Quadratmeter Dach, auf dem Flachdach je nach Aufstellung 5 bis 12 Quadratmeter. Ein Quadratmeter Modul liefert in der Mitte Deutschlands bei guter Ausrichtung rund 230 Kilowattstunden im Jahr.
Bevor du ein Angebot vergleichst, lohnt ein Maßband auf dem Dachboden oder ein Blick in die Bauzeichnung. Mit Breite und Sparrenlänge lässt sich in fünf Minuten nachrechnen, wie viele Module hochkant oder quer passen, und genau diese Zahl entscheidet oft mehr über die Anlagengröße als die Wahl des Moduls.
Häufige Fragen
Wie viel Quadratmeter braucht man für 1 kWp Photovoltaik?
Aktuelle Module mit 22 bis 23,5 Prozent Wirkungsgrad brauchen 4,3 bis 4,5 Quadratmeter Modulfläche je Kilowattpeak. Auf dem Schrägdach kommen Randabstände und Fugen dazu, in unserem Rechenbeispiel ergeben sich rund 6,7 Quadratmeter Dachfläche je Kilowattpeak. Auf dem Flachdach reicht die Spanne von 4,9 Quadratmetern (Ost-West, flach) bis 11,8 Quadratmetern (Süd, 30 Grad aufgeständert).
Wie viel kWp passen auf 100 Quadratmeter Dach?
Auf einem Schrägdach ohne Gauben und Fenster sind es mit heutigen Modulen rund 15 Kilowattpeak, wenn etwa zwei Drittel der Fläche belegt werden können. Auf einem Flachdach passen in Ost-West-Aufstellung rund 20 Kilowattpeak, bei Südaufständerung mit 15 Grad rund 12 und mit 30 Grad rund 8,5 Kilowattpeak.
Wie viel Strom erzeugt ein Quadratmeter Photovoltaik im Jahr?
Ein Quadratmeter Modulfläche liefert bei Süd-Ausrichtung mit 35 Grad Neigung in der Mitte Deutschlands rund 234 Kilowattstunden im Jahr, im Süden etwa 260, an der Küste etwa 225. Bezogen auf die Dachfläche ist der Wert kleiner, weil nie die ganze Fläche belegt ist: auf dem Schrägdach rund 150, auf einem aufgeständerten Süd-Flachdach 85 bis 115 Kilowattstunden je Quadratmeter.
Wie viel Fläche braucht eine 10-kWp-Anlage?
Rund 44 Quadratmeter Modulfläche, das sind 22 bis 23 Standardmodule mit 440 bis 450 Wattpeak. Auf dem Schrägdach sollte die Dachfläche mit Randabständen bei 65 bis 70 Quadratmetern liegen. Auf dem Flachdach sind es in Ost-West-Aufstellung rund 49, bei Südaufständerung mit 15 Grad rund 84 Quadratmeter.
Wie viel Dachfläche brauche ich für 4.000 kWh Strom im Jahr?
Bei 1.016 Kilowattstunden je Kilowattpeak (Süddach, 35 Grad, Mitte Deutschlands) sind knapp 4 Kilowattpeak nötig. Das entspricht 9 Standardmodulen mit zusammen rund 17,5 Quadratmetern Modulfläche. Ein Ost-West-Dach braucht für dieselbe Strommenge etwa 20 Prozent mehr Fläche, ein Norddach mit flacher Neigung rund 40 Prozent mehr.
Wie viel Fläche braucht ein Solarpark pro Megawatt?
Nach den Fakten zur Photovoltaik des Fraunhofer ISE erreichen neue Freiflächenanlagen mit Modulen um 22 Prozent Wirkungsgrad eine Belegungsdichte um 1 Megawattpeak je Hektar. 2010 waren es noch 0,35 Megawattpeak je Hektar. Ein Hektar liefert damit heute rund 980 Megawattstunden im Jahr, umgerechnet etwa 98 Kilowattstunden je Quadratmeter Grundfläche.
Warum braucht ein aufgeständertes Flachdach so viel mehr Fläche?
Weil jede Modulreihe einen Schatten nach Norden wirft und die nächste Reihe erst dahinter beginnen darf. Am 21. Dezember steht die Sonne in der Mitte Deutschlands mittags nur gut 15 Grad hoch. Ein quer aufgeständertes Modul mit 30 Grad Neigung wirft dann gut zwei Meter Schatten, die Reihe belegt dadurch rund dreimal so viel Dach wie ihre eigene Grundfläche.