Wechselrichter parallel schalten: Was erlaubt ist

Zwei Mikrowechselrichter im Hausnetz, Module parallel am Eingang, zwei Geräte an einem Strang: Welche Parallelschaltung funktioniert, welche Grenzen gelten und was zerstört wird.

Solar-Wissen Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Hinter der Frage nach der Parallelschaltung stecken meistens zwei ganz verschiedene Vorhaben: ein zweites Balkonkraftwerk zusätzlich zum vorhandenen, oder ein zweites Modul am selben Wechselrichter. Die Antworten fallen unterschiedlich aus, deshalb lohnt es sich, beide Fälle sauber auseinanderzuhalten.

Vier Fälle, zwei davon gehen gut

Der Begriff parallel taucht an drei Stellen einer Solaranlage auf, und jede hat ihre eigenen Regeln.

Vier Schaltungsschemata im Vergleich. Erstens erlaubt: zwei Module parallel an einem Mikrowechselrichter, die Spannung bleibt gleich, die Ströme addieren sich. Zweitens erlaubt: zwei Mikrowechselrichter mit je eigenen Modulen, deren Wechselstromseiten im Hausnetz zusammenlaufen, Summe höchstens 800 Voltampere. Drittens verboten: zwei Wechselrichter am selben Modulstrang, die MPP-Tracker arbeiten gegeneinander. Viertens nur mit Freigabe: zwei große Stringwechselrichter im Master-Slave-Verbund mit Kommunikationsleitung.

Auf der Gleichstromseite darf sich verzweigen, was zu einem Gerät führt. Zwei Wechselrichter an einem Strang scheitern daran, dass beide den Arbeitspunkt bestimmen wollen.

FallVerschaltungBewertung
1Module parallel an einem Wechselrichterüblich und vorgesehen
2Zwei Wechselrichter mit eigenen Modulen im Hausnetzzulässig bis 800 VA Summe
3Zwei Wechselrichter an einem Modulstrangtechnisch unzulässig
4Zwei Stringwechselrichter im Verbundnur mit Herstellerfreigabe

Fall 1: Module parallel an einen Wechselrichter

Das ist die Verschaltung, die in jedem Balkonkraftwerk-Set steckt. Zwei Module gehen über ein Y-Kabel oder über zwei getrennte Eingänge an denselben Mikrowechselrichter.

Der Grund für die Parallelschaltung liegt am Eingang. Mikrowechselrichter arbeiten mit einer maximalen Eingangsspannung von rund 60 Volt. Ein einzelnes Modul liefert im Leerlauf etwa 38 bis 50 Volt, zwei Module in Reihe kämen auf 76 bis 100 Volt und würden das Gerät zerstören. Parallel geschaltet bleibt die Spannung dagegen auf Modulniveau, und nur die Ströme addieren sich.

Genau hier sitzt der hartnäckigste Irrtum: Der doppelte Strom würde den Wechselrichter überlasten. Das trifft nicht zu, weil der MPP-Tracker bestimmt, wie viel Strom er abruft. Er fährt den Arbeitspunkt so, dass er seine maximale Eingangsleistung erreicht, und bleibt dort stehen.

Eine Beispielrechnung für zwei 440-Wp-Module an einem Eingang mit 427 Watt Leistungsgrenze:

GrößeWert
MPP-Spannung je Modul41 V
Maximale Eingangsleistung des Trackers427 W
Abgerufener Strom (427 W ÷ 41 V)10,4 A
Zulässiger Eingangsstrom laut Datenblatt14 bis 15 A

Der Wert bleibt also mit gutem Abstand im Rahmen. Zwei Punkte gehören trotzdem geprüft, bevor Module parallel an einen Eingang gehen:

  • Gleiche Module verwenden. Bei unterschiedlichen MPP-Spannungen arbeitet das schwächere Modul gegen das stärkere, im Extremfall wirkt es als Verbraucher. Ein gemischtes Paar kostet Ertrag.
  • Datenblatt lesen. Maximaler Eingangsstrom und maximale Kurzschlussstromstärke stehen dort ausdrücklich. Sie sind die einzige verbindliche Grenze.

Wechselrichter mit zwei getrennten MPP-Trackern lösen das Thema noch eleganter: Dort bekommt jedes Modul seinen eigenen Eingang und damit seinen eigenen Arbeitspunkt. Das lohnt sich vor allem, wenn die Module unterschiedlich ausgerichtet sind oder eines zeitweise im Schatten liegt.

Fall 2: Zwei Wechselrichter im selben Hausnetz

Hier geht es um die Wechselstromseite. Zwei komplette Balkonkraftwerke mit je eigenen Modulen speisen in dasselbe Hausnetz ein, jedes über seinen eigenen Anschluss.

Das ist zulässig, und die entscheidende Größe ist die Summe. Für Steckersolargeräte gelten seit dem Solarpaket I zwei Obergrenzen, die je Hausanschluss zusammengezählt werden:

  • 800 Voltampere Wechselrichterleistung insgesamt
  • 2.000 Wattpeak Modulleistung insgesamt

Zwei Geräte mit je 400 VA passen also, zwei mit je 600 VA sprengen den Rahmen. Getrennte Steckdosen, getrennte Stromkreise oder eine Verteilung auf mehrere Phasen ändern daran nichts, weil der Gesetzgeber auf den Zählpunkt abstellt. Was die beiden Leistungsangaben bedeuten, erklärt der Artikel Watt Peak: Bedeutung, Umrechnung und Praxiswerte.

Wer mehr Leistung installieren möchte, landet automatisch im normalen Verfahren für Erzeugungsanlagen: Anmeldung beim Netzbetreiber, fester Anschluss durch eine Elektrofachkraft, Inbetriebnahmeprotokoll nach VDE-AR-N 4105.

Ein oder mehrere Stromkreise?

Bei der Verteilung im Haus geht es um den Leitungsschutz. Die Sicherung im Verteiler schützt die Leitung gegen Überstrom aus Richtung Verteiler. Ein Wechselrichter speist dahinter ein, sein Strom fließt also durch die Leitung, ohne diese Sicherung zu passieren.

Bei Steckersolargeräten ist die Größenordnung entspannt: 800 Voltampere ergeben bei 230 Volt rund 3,5 Ampere. Selbst wenn beide Geräte am selben Endstromkreis hängen, bleibt das weit unter dessen Belastbarkeit. Kritisch wird die Rechnung erst bei mehreren Kilowatt.

Trotzdem gelten drei Praxisregeln:

  1. Einspeisung möglichst auf verschiedene Endstromkreise verteilen. Das hält die Belastung der einzelnen Leitung gering.
  2. Keine Mehrfachsteckdosen und Verlängerungen. Sie sind für dauerhafte Einspeisung ungeeignet, weil Kontaktwiderstände unter Dauerlast warm werden. Die Steckdose sollte fest in der Wand sitzen.
  3. Im Zweifel eine Elektrofachkraft fragen. Bei alten Installationen mit unklarer Leitungsführung oder ohne Fehlerstromschutzschalter ist das die richtige Adresse.

Zur Steckerfrage selbst gibt es einen eigenen Artikel: Schuko oder Wieland. Und wenn nach dem Anschluss die Sicherung fällt, hilft Balkonkraftwerk: Sicherung fliegt raus bei der Ursachensuche.

Verteilung auf mehrere Phasen

Mehrere Mikrowechselrichter dürfen auf verschiedenen Außenleitern liegen, das ist elektrisch sogar günstig, weil es die Last gleichmäßiger verteilt. Die VDE-AR-N 4105 begrenzt die unsymmetrische Einspeisung auf 4,6 Kilovoltampere je Phase. Bei Steckersolargeräten wird dieser Wert nie erreicht.

Ein praktischer Nebeneffekt: Moderne Zähler saldieren über alle drei Phasen. Es spielt für die Abrechnung also keine Rolle, auf welcher Phase eingespeist wird.

Fall 3: Zwei Wechselrichter an einem Modulstrang

Diese Verschaltung sieht auf dem Papier harmlos aus und ist der einzige Fall, der zuverlässig schiefgeht.

Jeder Wechselrichter hat einen MPP-Tracker, der die Modulspannung laufend verändert, um den optimalen Arbeitspunkt zu finden. Hängen zwei Geräte an denselben Modulen, suchen beide gleichzeitig, und jede Änderung des einen verfälscht die Messung des anderen. Die Folgen:

  • Dauerndes Pendeln. Die Spannung schwingt, die Ausbeute bricht ein.
  • Rückströme. Über die gemeinsame Verbindung kann Strom in ein Gerät fließen, dessen Eingang dafür nicht gebaut ist.
  • Abschaltungen. Viele Geräte erkennen den unplausiblen Zustand und gehen in Störung, teils mit Fehlermeldung im Portal.

Die Regel dazu ist knapp: Ein Modulstrang gehört immer genau einem MPP-Eingang. Wer zwei Wechselrichter betreiben will, teilt die Module auf und gibt jedem Gerät seinen eigenen Strang.

Fall 4: Große Wechselrichter im Verbund

Bei Dachanlagen, Speichersystemen und Inselanlagen taucht die Frage in einer anderen Form auf: Können zwei Stringwechselrichter oder zwei Batteriewechselrichter zusammen ein Netz aufbauen?

Das geht nur, wenn der Hersteller es vorsieht. Solche Geräte laufen dann in einer Master-Slave-Konfiguration mit einer Kommunikationsleitung zwischen den Geräten. Der Master gibt Frequenz und Spannung vor, die Slaves folgen. Ohne diese Abstimmung würden zwei netzbildende Geräte gegeneinander arbeiten, weil beide die Taktvorgabe beanspruchen.

Am Netz parallel betriebene Stringwechselrichter sind dagegen unkritisch, solange jeder seinen eigenen Modulstrang hat: Sie speisen alle in dasselbe Netz und synchronisieren sich darauf. Genau so funktionieren Anlagen mit mehreren Wechselrichtern auf großen Dächern. Wie ein einzelnes Gerät Module, Batterie und Netz intern verbindet, zeigt der Artikel Wie funktioniert ein Hybrid-Wechselrichter.

Was bei der Anmeldung zu beachten ist

Im Marktstammdatenregister zählen die Summenwerte. Bei zwei Geräten trägst du die gesamte Modulleistung in Wattpeak und die gesamte Wechselrichterleistung ein, wie sie auf den Typenschildern steht.

Wer nachrüstet, meldet die geänderten Werte innerhalb eines Monats nach. Diese Frist gilt für Änderungen genauso wie für die Erstanmeldung, wie der Artikel Balkonkraftwerk anmelden: Wie lange du Zeit hast im Detail beschreibt.

Wichtig beim Aufrüsten: Sobald die Summe über 800 Voltampere liegt, verlässt die Anlage die vereinfachte Regelung für Steckersolargeräte. Dann greifen die normalen Anforderungen an Erzeugungsanlagen mit Anmeldung beim Netzbetreiber und Anschluss durch eine Elektrofachkraft.

Fazit

Parallel schalten geht auf der Gleichstromseite und auf der Wechselstromseite, in beiden Fällen mit klaren Grenzen. Module dürfen sich parallel einen Wechselrichter teilen, weil dessen MPP-Tracker den Strom begrenzt. Zwei Wechselrichter dürfen sich das Hausnetz teilen, solange ihre Ausgangsleistungen zusammen bei 800 Voltampere bleiben.

Der eine Fall, der zuverlässig scheitert, ist der doppelte Wechselrichter am selben Modulstrang. Zwei MPP-Tracker an einer Quelle stören sich gegenseitig, und mehr als Ertragsverlust steht dabei auf dem Spiel. Wer erweitern will, gibt jedem Gerät eigene Module und behält die Summenwerte im Blick.

Häufige Fragen

Darf ich zwei Mikrowechselrichter parallel betreiben?

Ja, solange jeder Wechselrichter seine eigenen Module hat und die Summe der Ausgangsleistungen die Grenze für Steckersolargeräte einhält. Diese liegt bei 800 Voltampere je Hausanschluss, zusammengezählt über alle Geräte. Zwei Wechselrichter mit je 400 VA sind damit zulässig, zwei mit je 600 VA nicht mehr.

Gilt die 800-VA-Grenze pro Steckdose oder pro Haushalt?

Je Hausanschluss beziehungsweise Zählpunkt. Verschiedene Steckdosen, verschiedene Stromkreise oder verschiedene Phasen ändern daran nichts. Wer mehr Leistung anschließen will, verlässt den Rahmen des vereinfachten Verfahrens und braucht eine Anmeldung beim Netzbetreiber sowie einen festen Anschluss durch eine Elektrofachkraft.

Kann ich zwei Wechselrichter an dieselben Module hängen?

Nein, das zerstört im schlechtesten Fall Hardware. Beide Geräte würden gleichzeitig versuchen, den Arbeitspunkt der Module zu bestimmen. Die MPP-Tracker arbeiten gegeneinander, die Spannung pendelt, und über die gemeinsame Verbindung können Ströme in ein Gerät zurückfließen. Jeder Wechselrichter braucht seinen eigenen Modulstrang.

Darf ich zwei Module parallel an einen Mikrowechselrichter hängen?

Wenn der Eingang dafür ausgelegt ist, ja. Module werden am Mikrowechselrichter parallel verschaltet, weil dessen Eingangsspannung meist bei rund 60 Volt endet und eine Reihenschaltung diese Grenze überschreiten würde. Bei einer Parallelschaltung addieren sich die Ströme, die Spannung bleibt gleich.

Grillt der doppelte Strom meinen Wechselrichter?

Der MPP-Tracker ruft nur so viel Strom ab, wie er für seine maximale Eingangsleistung braucht. Bei zwei 440-Wp-Modulen an einem Eingang mit 427 Watt Grenze und 41 Volt MPP-Spannung sind das rund 10,4 Ampere, deutlich unter den zulässigen 14 bis 15 Ampere. Maßgeblich bleibt der Wert im Datenblatt des Wechselrichters.

Dürfen mehrere Wechselrichter an einem Stromkreis hängen?

Technisch ist das im Rahmen der 800 Voltampere unkritisch, weil der Gesamtstrom bei rund 3,5 Ampere liegt. Sauberer ist es trotzdem, die Einspeisung auf verschiedene Endstromkreise zu verteilen. Mehrfachsteckdosen und Verlängerungen sind für die dauerhafte Einspeisung ungeeignet.

Muss ich beide Wechselrichter einzeln anmelden?

Im Marktstammdatenregister wird die Anlage als Einheit mit ihrer Gesamtleistung erfasst. Entscheidend sind die Summenwerte: Modulleistung in Wattpeak und Wechselrichterleistung in Watt oder Voltampere. Wer nachrüstet, meldet die geänderten Werte innerhalb eines Monats nach.

Kann ich zwei große Wechselrichter einer Dachanlage parallel schalten?

Nur wenn der Hersteller den Parallelbetrieb ausdrücklich vorsieht, meist über eine Master-Slave-Konfiguration mit Kommunikationsleitung. Ohne diese Freigabe verweigern die Geräte den Betrieb oder arbeiten gegeneinander. Die Planung gehört hier in die Hand des Fachbetriebs.

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