Balkonkraftwerk und Wärmepumpe: Lohnt sich die Kombination?

Ein Balkonkraftwerk deckt nur 5 bis 7 Prozent des Wärmepumpenstroms, hebt aber den eigenen Verbrauch deutlich. Monatsrechnung, Zählerfrage und der Warmwasser-Hebel.

Balkonkraftwerk Veröffentlicht am 10 Min. Lesezeit

Die Wärmepumpe ist der größte Stromverbraucher im Haus, das Balkonkraftwerk liefert Strom ohne laufende Kosten. Beides zusammenzubringen, klingt nach einer naheliegenden Idee. Wie viel davon tatsächlich zusammenpasst, zeigt erst eine Rechnung über alle zwölf Monate, und am Ende entscheidet der Zählerschrank mehr als die Module.

Wer hier wem hilft: zwei Blickwinkel

Die Frage “Lohnt sich ein Balkonkraftwerk mit Wärmepumpe?” lässt sich aus zwei Richtungen stellen, und die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus.

Aus Sicht der Wärmepumpe ist das Balkonkraftwerk ein Tropfen. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus braucht im Jahr einige Tausend Kilowattstunden Strom, ein Balkonkraftwerk erzeugt am selben Standort 600 bis 1.000 Kilowattstunden. Selbst wenn jede davon in der Wärmepumpe landen würde, blieben es 15 bis 22 Prozent. Tatsächlich ist es ein Bruchteil davon, weil Erzeugung und Bedarf zu verschiedenen Jahreszeiten anfallen.

Aus Sicht des Balkonkraftwerks ist die Wärmepumpe ein Glücksfall. Ohne sie geht ein großer Teil des Mittagsertrags unvergütet ins Netz, weil der Haushalt um diese Zeit wenig verbraucht. Mit ihr gibt es von Herbst bis Frühjahr einen Verbraucher, der auch mittags zuverlässig Strom abnimmt.

Unsere Modellrechnung zeigt beide Seiten in Zahlen:

KennzahlSüd, 35° aufgeständertSüd, senkrecht am Geländer
Jahresertrag Balkonkraftwerk (900 Wp)rund 970 kWhrund 680 kWh
Eigenverbrauch ohne Wärmepumpe41 %46 %
mit Wärmepumpe, Warmwasser morgens64 %75 %
mit Wärmepumpe, Warmwasser mittags75 %84 %
zusätzlich im Haus genutzt230 bis 330 kWh200 bis 255 kWh
Anteil am Wärmepumpenstrom5 bis 7,5 %4,5 bis 6 %

Die Wärmepumpe macht das Balkonkraftwerk also deutlich wirtschaftlicher, das Balkonkraftwerk senkt die Heizkosten dagegen nur wenig. Wie stark der Eigenverbrauch die Ersparnis grundsätzlich bestimmt, rechnet der Ratgeber Wie viel spart ein Balkonkraftwerk Schritt für Schritt durch.

So ist gerechnet

Die Zahlen stammen aus einer eigenen Stundenrechnung, deren Annahmen du hier vollständig findest:

  • Solarertrag: stündliche Daten aus PVGIS 5.3 (Joint Research Centre der EU) für Kassel, Wetterjahre 2020 bis 2023. Zwei Module mit zusammen 900 Wattpeak, nach Süden ausgerichtet, 7 Prozent Verlust auf der Gleichstromseite, 96 Prozent Wechselrichter-Wirkungsgrad, Einspeisung je Stunde auf 800 Watt gekappt.
  • Wärmepumpe: Luft-Wasser-Gerät in einem Einfamilienhaus mit 12.000 kWh Heizwärme und 2.500 kWh Warmwasser im Jahr (vier Personen). Geheizt wird unterhalb von 15 Grad Tagesmitteltemperatur, die Effizienz folgt stündlich der Außentemperatur aus denselben PVGIS-Daten. Ergebnis: rund 4.400 kWh Strom, eine Jahresarbeitszahl von etwa 3,3.
  • Haushalt: Grundlast von 90 Watt plus Verbrauchsspitzen morgens, mittags und abends. Ohne Wärmepumpe ergibt das einen Eigenverbrauch von 41 Prozent und liegt damit im typischen Bereich von 35 bis 50 Prozent.

Eine Einschränkung gehört dazu: Das Modell rechnet mit Stundenmittelwerten. Eine Wärmepumpe, die bei milder Witterung in kurzen Intervallen taktet, nutzt den Solarstrom etwas schlechter aus als eine gleichmäßig laufende. Die Werte sind deshalb eher als obere Hälfte einer realistischen Spanne zu lesen.

Monat für Monat: wann die Kombination trägt

Über das Jahr laufen Balkonkraftwerk und Wärmepumpe fast spiegelbildlich. Im Dezember liefern die Module rund 20 kWh, die Wärmepumpe braucht über 700 kWh. Im Juni ist es umgekehrt: 127 kWh Ertrag stehen 70 kWh Wärmepumpenstrom gegenüber, der nur noch aufs Warmwasser entfällt.

Gespiegeltes Monatsdiagramm im gleichen Maßstab: nach oben der Ertrag eines Balkonkraftwerks mit 900 Wattpeak zwischen 20 kWh im Dezember und 127 kWh im Juni, nach unten der Stromverbrauch einer Wärmepumpe zwischen 67 kWh im Juli und 741 kWh im Januar. Die zusätzlich genutzten Mengen liegen im März bei 60, im April bei 58 und im Mai bei 42 kWh, im Winter bei 8 bis 31 kWh. Übers Jahr sind es 330 kWh oder 7 Prozent des Wärmepumpenstroms.

Den größten Beitrag leistet die Kombination im Frühjahr und Herbst, wenn die Wärmepumpe noch heizt und die Module schon oder noch ordentlich liefern.

MonatErtrag BalkonkraftwerkVerbrauch Wärmepumpezusätzlich im Haus genutzt
Januar23 kWh741 kWh9 kWh
Februar53 kWh639 kWh31 kWh
März96 kWh589 kWh60 kWh
April115 kWh427 kWh58 kWh
Mai123 kWh212 kWh42 kWh
Juni127 kWh70 kWh23 kWh
Juli113 kWh67 kWh18 kWh
August110 kWh68 kWh21 kWh
September98 kWh117 kWh24 kWh
Oktober55 kWh250 kWh21 kWh
November32 kWh516 kWh15 kWh
Dezember20 kWh710 kWh8 kWh
Jahr966 kWh4.405 kWh330 kWh

Werte für Süd 35°, Warmwasser mittags geladen.

Drei Phasen lassen sich unterscheiden:

  • Winter (November bis Februar): Die Wärmepumpe läuft fast rund um die Uhr, die Module liefern zusammen nur 128 kWh. Die Hälfte davon hätte der Haushalt ohnehin verbraucht, die Wärmepumpe holt den Rest. Mehr gibt es nicht zu holen, der Engpass ist der Ertrag.
  • Übergangszeit (März bis Mai, September, Oktober): Beide Seiten sind groß genug. In diesen fünf Monaten entstehen 205 der 330 kWh, also fast zwei Drittel des Effekts.
  • Sommer (Juni bis August): Die Wärmepumpe bereitet nur noch Warmwasser. Ob sie dabei Solarstrom nutzt, hängt fast allein an der Uhrzeit der Warmwasserbereitung.

Warum der Winter so wenig hergibt, erklärt der Ratgeber Photovoltaik im Winter auch für große Dachanlagen: Der Wärmebedarf ist genau dann am höchsten, wenn die Sonne am wenigsten liefert.

Die Zählerfrage entscheidet vor allem anderen

Alle Zahlen oben setzen voraus, dass Haushalt und Wärmepumpe am selben Zähler hängen. Genau das ist bei vielen Wärmepumpen nicht der Fall.

MesskonzeptErreicht der Solarstrom die Wärmepumpe?Typisch bei
Ein gemeinsamer ZählerjaHaushaltstarif, § 14a EnWG Modul 1
Zwei getrennte Zähler nebeneinanderneinHeizstrom- oder Wärmepumpentarif, § 14a Modul 2
Kaskadenschaltung, Zähler hintereinanderjaUmbau durch Elektrofachkraft, abgestimmt mit dem Netzbetreiber

Bei getrennten Zählern speist das Balkonkraftwerk in den Haushaltsstromkreis. Was der Haushalt nicht verbraucht, fließt über den Haushaltszähler ins Netz und wird nicht vergütet. Die Wärmepumpe bezieht ihren Strom zur selben Zeit über ihren eigenen Zähler. Physikalisch mögen es dieselben Elektronen sein, abgerechnet werden eine unvergütete Einspeisung und ein voll bezahlter Bezug.

Bei der Kaskadenschaltung sitzt der Wärmepumpenzähler in Reihe hinter dem Hauptzähler. Der Netzbetreiber rechnet über die Differenz der beiden Zähler ab. Solarstrom, den die Wärmepumpe verbraucht, erscheint am Hauptzähler gar nicht erst als Bezug, und der günstige Wärmepumpentarif bleibt erhalten. Der Umbau im Zählerschrank lohnt sich für ein einzelnes Balkonkraftwerk selten, wird aber interessant, sobald eine größere Dachanlage geplant ist.

§ 14a EnWG spielt seit 2024 mit hinein. Wärmepumpen, die nach dem

  1. Januar 2024 mit mehr als 4,2 Kilowatt elektrischer Anschlussleistung installiert wurden, gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtung. Der Netzbetreiber gewährt dafür einen Rabatt auf die Netzentgelte in zwei Varianten:
  • Modul 1: eine jährliche Pauschale, laut stromvergleich.de je nach Netzgebiet zwischen 110 und 190 Euro. Ein zweiter Zähler ist nicht nötig, die Wärmepumpe läuft über den Haushaltszähler. Das Balkonkraftwerk erreicht sie damit.
  • Modul 2: 60 Prozent weniger Netzentgelt-Arbeitspreis, dafür zwingend ein eigener Zähler. Der Solarstrom fließt dann an der Wärmepumpe vorbei.

Wer ein Balkonkraftwerk betreibt oder plant, hat mit Modul 1 die Variante, in der beides zusammenspielt.

Wärmepumpentarif aufgeben? Die Rechnung

Naheliegend ist der Gedanke, den separaten Zähler abzuschaffen, damit das Balkonkraftwerk die Wärmepumpe erreicht. Die Rechnung für unser Beispielhaus mit 4.400 kWh Wärmepumpenstrom, mit Neukundenpreisen laut Verivox vom Juli 2026:

PostenGetrennter WärmepumpenzählerGemeinsamer Zähler
Arbeitspreis Wärmepumpenstromrund 21 Centrund 30 Cent (Haushaltsstrom)
4.400 kWh Wärmepumperund 924 €rund 1.320 €
Grundpreis zweiter Zähler100 bis 150 €entfällt
Pauschale § 14a Modul 1entfälltminus 110 bis 190 €
Solarstrom in der Wärmepumpeentfälltminus 70 bis 100 €
Summe im Jahrrund 1.025 bis 1.075 €rund 1.030 bis 1.140 €

Beide Varianten liegen fast gleichauf, mit leichtem Vorteil für den getrennten Zähler. Das Balkonkraftwerk allein ist damit selten ein Grund, den Wärmepumpentarif aufzugeben. Anders kann es aussehen, wenn dein Heizstromtarif deutlich teurer ist als die genannten 21 Cent, wenn die Wärmepumpe wenig verbraucht oder wenn der Grundpreis des zweiten Zählers hoch ausfällt. Setze dafür die Zahlen deiner eigenen Abrechnungen in die Tabelle ein.

Warmwasser mittags: der Hebel ohne Kosten

Die größte Stellschraube kostet nichts: der Zeitpunkt der Warmwasserbereitung. Häufig liegt das Ladefenster im Zeitprogramm in den frühen Morgenstunden, wenn noch kein Solarstrom fließt. Im Sommer ist das Warmwasser aber praktisch der einzige Verbrauch der Wärmepumpe.

In unserer Rechnung verschiebt sich das Ladefenster von 5 auf 12 Uhr, die Solltemperatur bleibt gleich. Zwei Effekte kommen zusammen:

  1. Mehr Eigenverbrauch: Der zusätzlich genutzte Solarstrom steigt von 227 auf 330 kWh im Jahr, der größte Teil davon in den Monaten Mai bis September.
  2. Bessere Effizienz: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe arbeitet mit warmer Mittagsluft effizienter als mit kühler Morgenluft. Im Modell sinkt ihr Jahresverbrauch dadurch um rund 80 kWh.

Zusammen sind das bei 37 Cent rund 65 bis 70 Euro im Jahr für eine Änderung im Menü der Heizung. Der Effizienzgewinn entfällt bei Sole-Wasser-Wärmepumpen, weil das Erdreich mittags nicht wärmer ist als morgens. Der Eigenverbrauchseffekt bleibt.

Ein Warmwasserspeicher hält seine Temperatur über viele Stunden. Wer mittags lädt, hat abends und am nächsten Morgen trotzdem warmes Wasser. Bei großem Verbrauch am Abend kann ein zweites, kürzeres Ladefenster am Nachmittag sinnvoll sein.

Was 800 Watt für eine Wärmepumpe bedeuten

Eine Wärmepumpe im Heizbetrieb zieht deutlich mehr, als ein Balkonkraftwerk liefern kann. Im Modell läuft sie im Januar mit durchschnittlich rund 1 Kilowatt, an Frosttagen mit mehr. Das Balkonkraftwerk liefert im Januar im Schnitt 0,7 kWh am Tag, seine 800 Watt erreicht es im Winter selten.

Technisch ist das unkritisch. Balkonkraftwerk und Netz liegen parallel am selben Hausnetz, die Wärmepumpe nimmt, was die Module gerade liefern, und den Rest aus dem Netz. Es gibt keine Umschaltung und keine Leistungsgrenze für den Verbrauch. Die 800 Watt begrenzen nur, was der Wechselrichter einspeisen darf.

Viele Wärmepumpen haben einen SG-Ready-Eingang, über den ein Energiemanager bei Solarüberschuss die Solltemperaturen anheben kann. Für große Dachanlagen ist das ein wirksames Werkzeug. Bei einem Balkonkraftwerk bleibt nach dem Haushaltsverbrauch selten genug Überschuss übrig, um die Wärmepumpe sinnvoll anzustoßen. Das feste Zeitfenster fürs Warmwasser erreicht hier fast dasselbe mit weniger Aufwand.

Senkrecht am Geländer: weniger Ertrag, höhere Quote

Hängen die Module senkrecht am Balkon, sinkt der Jahresertrag im Modell auf rund 680 kWh. Dafür verteilt er sich gleichmäßiger übers Jahr, weil die tiefe Wintersonne eine senkrechte Fläche fast frontal trifft. Die Monate Oktober bis Februar liefern dann fast so viel wie bei aufgeständerten Modulen, im Sommer deutlich weniger.

Für die Kombination mit Wärmepumpe ist das günstig: Mit Warmwasser mittags bleiben 84 Prozent des Ertrags im Haus, fast jede Kilowattstunde wird genutzt. In absoluten Zahlen sind es 200 bis 255 kWh zusätzlich, etwas weniger als bei 35 Grad Neigung. Welche Erträge die einzelnen Montagearten bringen, zeigt der Ratgeber Wie viel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk.

Speicher, Heizstab und die größere Anlage

Ein Batteriespeicher bringt in dieser Konstellation weniger als in einem Haushalt ohne Wärmepumpe. Von Oktober bis April nimmt die Wärmepumpe den Mittagsertrag fast vollständig selbst auf, für den Akku bleibt wenig übrig. Im Sommer kann er Überschuss in den Abend tragen, einen Teil dieser Arbeit erledigt aber schon die mittags gelegte Warmwasserbereitung. Wie groß ein Speicher dann sein müsste, klärt der Ratgeber Balkonkraftwerk-Speicher: Wie groß.

Ein Heizstab im Warmwasserspeicher wird oft als Alternative genannt. Er macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, die Wärmepumpe im Sommer etwa drei. Wo eine Wärmepumpe das Warmwasser bereitet, ist sie der bessere Abnehmer für den Solarstrom. Wann sich ein Heizstab trotzdem rechnet, steht im Ratgeber Photovoltaik-Überschuss mit Heizstab nutzen.

Eine Dachanlage spielt in einer anderen Größenordnung. Eine Anlage mit 8 bis 10 Kilowattpeak erzeugt das Zehnfache eines Balkonkraftwerks und kann in der Übergangszeit einen spürbaren Teil des Wärmepumpenstroms decken. Das Balkonkraftwerk ist dagegen der schnelle, kleine Einstieg, der ohne Genehmigung und Handwerker funktioniert.

Fazit

Ein Balkonkraftwerk und eine Wärmepumpe passen gut zusammen, solange beide am selben Zähler hängen. Die Wärmepumpe verwandelt einen großen Teil des Mittagsüberschusses in genutzten Strom und hebt den Eigenverbrauch im Modell von 41 auf bis zu 75 Prozent, bei senkrechten Modulen auf 84 Prozent. Für die Heizkosten selbst bleibt der Beitrag mit 5 bis 7,5 Prozent klein.

Drei Schritte holen das Maximum heraus: Prüfe im Zählerschrank, ob die Wärmepumpe einen eigenen Zähler hat. Stelle die Warmwasserbereitung auf die Mittagsstunden. Und rechne einen Tarifwechsel mit deinen eigenen Zahlen durch, bevor du den Wärmepumpenzähler abmeldest, denn allein wegen des Balkonkraftwerks lohnt er sich selten.

Häufige Fragen

Kann ein Balkonkraftwerk eine Wärmepumpe betreiben?

Nur zu einem kleinen Teil. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus zieht im Winter im Mittel rund 1 Kilowatt, an kalten Tagen deutlich mehr, das Balkonkraftwerk speist höchstens 800 Watt ein und liefert im Januar im Schnitt weniger als 1 Kilowattstunde am Tag. Den Rest ergänzt das Netz nahtlos, es gibt keine Umschaltung und keinen Aussetzer. Über das Jahr deckt ein 900-Wattpeak-Set in unserer Modellrechnung 5 bis 7,5 Prozent des Wärmepumpenstroms.

Wie viel Wärmepumpenstrom deckt ein Balkonkraftwerk im Jahr?

In unserer Modellrechnung für Kassel mit 900 Wattpeak, 800-Watt-Grenze und einer Wärmepumpe mit rund 4.400 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind es 230 bis 330 Kilowattstunden, also 5 bis 7,5 Prozent. Der größte Teil davon fällt in März bis Mai sowie September und Oktober. Von November bis Februar liegt der Anteil je Monat bei 1 bis 5 Prozent, weil die Module kaum etwas liefern.

Funktioniert das auch mit einem separaten Wärmepumpenzähler?

Nein, bei zwei getrennten Zählern nebeneinander erreicht der Solarstrom die Wärmepumpe nicht. Das Balkonkraftwerk speist in den Haushaltsstromkreis, was dort übrig bleibt, geht über den Haushaltszähler unvergütet ins Netz. Die Wärmepumpe bezieht ihren Strom parallel über den eigenen Zähler. Abhilfe schafft eine Kaskadenschaltung oder der Wechsel auf einen gemeinsamen Zähler.

Was ist eine Kaskadenschaltung?

Ein Messkonzept, bei dem Haushalts- und Wärmepumpenzähler in Reihe hintereinander sitzen. Abgerechnet wird über die Differenz der beiden Zähler. Solarstrom, den die Wärmepumpe verbraucht, taucht so am Hauptzähler gar nicht erst als Bezug auf, der günstige Wärmepumpentarif bleibt trotzdem erhalten. Der Umbau im Zählerschrank ist Sache einer Elektrofachkraft und wird mit dem Netzbetreiber abgestimmt.

Lohnt es sich, wegen des Balkonkraftwerks den Wärmepumpentarif aufzugeben?

Selten. Mit Neukundenpreisen aus dem Juli 2026 (rund 21 Cent Wärmepumpenstrom, rund 30 Cent Haushaltsstrom laut Verivox) liegen beide Varianten bei 4.400 Kilowattstunden fast gleichauf, mit leichtem Vorteil für den getrennten Zähler. Die Ersparnis durch das Balkonkraftwerk von rund 70 bis 100 Euro reicht allein nicht, um den Preisabstand auszugleichen. Kippen kann die Rechnung bei einem teuren Heizstromtarif oder kleinem Verbrauch.

Wann sollte die Wärmepumpe das Warmwasser bereiten?

Mit Balkonkraftwerk am besten mittags. In unserer Modellrechnung bringt das Verschieben des Ladefensters von 5 auf 12 Uhr rund 100 Kilowattstunden mehr Eigenverbrauch im Jahr. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen kommt die wärmere Mittagsluft dazu, sie verbessert die Effizienz und spart im Modell weitere rund 80 Kilowattstunden Wärmepumpenstrom. Einstellbar ist das über das Zeitprogramm der Warmwasserbereitung.

Brauche ich mit Wärmepumpe einen Speicher fürs Balkonkraftwerk?

In der Heizperiode kaum. Dann nimmt die Wärmepumpe den Mittagsertrag fast vollständig selbst auf, für einen Akku bleibt wenig zum Speichern übrig. Im Sommer kann ein Speicher helfen, dort erledigt eine mittags gelegte Warmwasserbereitung aber einen großen Teil derselben Arbeit, ohne dass etwas gekauft werden muss.

Darf ich ein zweites Balkonkraftwerk am Wärmepumpenzähler betreiben?

Hat der Wärmepumpenzähler einen eigenen Zählpunkt mit eigener Marktlokation, gilt dort ein eigenes Kontingent von 800 Voltampere. Praktisch scheitert es meist an der Steckdose: Der Wärmepumpenstromkreis ist fest verdrahtet und hat keinen Anschluss für ein Steckersolargerät. Eine Elektrofachkraft müsste eine Einspeisesteckdose setzen, und ob der Heizstromvertrag das zulässt, klärst du vorher mit Versorger und Netzbetreiber.

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