Was bei einem Stromausfall mit dem Balkonkraftwerk passiert
Die kurze Antwort: Es geht aus. Das gilt für jedes zugelassene Balkonkraftwerk, unabhängig davon, wie stark die Sonne gerade scheint. Der Ablauf ist in wenigen Augenblicken erledigt:
- Das Netz fällt aus. Die Spannung an der Steckdose bricht zusammen, meist auf nahezu null.
- Der Netz- und Anlagenschutz erkennt die Abweichung. Er überwacht im Wechselrichter ständig Spannung und Frequenz.
- Das Relais öffnet. Der Wechselrichter trennt sich vom Hausnetz und speist keinen Strom mehr ein.
- Der Wechselrichter wartet. In der App erscheint je nach Hersteller eine Meldung wie „kein Netz” oder „offline”.
- Das Netz kehrt zurück. Der Wechselrichter prüft eine Weile, ob Spannung und Frequenz stabil im erlaubten Bereich liegen, und startet dann selbst neu.
Du musst in keinem Schritt eingreifen. Wie der Solarstrom im Normalbetrieb seinen Weg ins Hausnetz findet, erklärt der Ratgeber zum Stromweg ins Haus. Die Meldungen, die dabei im Display oder in der App auftauchen, sind dieselben wie bei einer gefallenen Sicherung: Bei Growatt heißt das etwa Fehler 302, bei Fronius Statuscode 107. Die Ratgeber Growatt Fehler 302 und Fronius Fehler 107 erklären, wie du einen Netzausfall von einem echten Defekt unterscheidest.

Bei Netzausfall trennt sich der Wechselrichter vom Hausnetz. Strom gibt es danach nur noch an einem separaten Notstrom-Ausgang.
Warum ein Wechselrichter ohne Netz nicht arbeitet
Zwei Gründe greifen ineinander, ein technischer und ein sicherheitsrechtlicher.
Technisch ist der Wechselrichter eines Balkonkraftwerks netzgeführt. Er synchronisiert sich auf die 230 Volt und 50 Hertz des Netzes und schiebt seinen Strom im Gleichschritt hinein, das Netz gibt ihm den Takt vor. Fehlt diese Vorgabe, hat er nichts, woran er sich ausrichten könnte. Wie der Wechselrichter aus Gleichstrom netztauglichen Wechselstrom macht, erklärt der Ratgeber Solarmodul ohne Wechselrichter.
Sicherheitsrechtlich schreibt die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 für jede Erzeugungsanlage am Niederspannungsnetz einen Netz- und Anlagenschutz vor, kurz NA-Schutz. Bei Balkonkraftwerken steckt er im Wechselrichter selbst und ist mit einem Zertifikat nachgewiesen. Der Hintergrund: Bei einem Ausfall arbeiten Monteure an Leitungen, die sie für spannungsfrei halten. Speiste ein Wechselrichter weiter, läge an diesen Leitungen plötzlich wieder Spannung an.
Die Grenzwerte, bei denen der NA-Schutz abschaltet, legt die Norm fest. Ein VDE-Prüfbericht zu einem zertifizierten Wechselrichter zeigt, wie schnell das in der Praxis geht:
| Schutzfunktion | Grenzwert | gemessene Auslösezeit im Prüfbericht |
|---|---|---|
| Spannung stark abgesunken | unter 45 % der Nennspannung (rund 104 V) | 0,31 bis 0,37 s |
| Spannung abgesunken | unter 80 % (rund 184 V) | rund 3 s |
| Spannung stark erhöht | über 125 % (rund 288 V) | 0,09 bis 0,11 s |
| Frequenz zu niedrig | unter 47,5 Hz | 0,07 bis 0,12 s |
| Frequenz zu hoch | über 51,5 Hz | 0,06 bis 0,13 s |
Quelle: VDE-Zertifikat zum NA-Schutz nach VDE-AR-N 4105:2018 (Fronius Tauro, Prüfberichte des AIT).
Bei einem echten Ausfall bricht die Spannung schlagartig ein, der Schutz greift also nach Bruchteilen einer Sekunde. Für den seltenen Fall, dass sich im abgetrennten Netzstück Erzeugung und Verbrauch zufällig die Waage halten und die Spannung stehen bleibt, prüft der Wechselrichter zusätzlich aktiv, ob er sich in einem Inselnetz befindet, und schaltet auch dann binnen Sekunden ab.
Mit Speicher: wann der Strom weiterfließt
Ein Speicher ändert am Verhalten gegenüber dem Hausnetz nichts. Auch er trennt sich bei Netzausfall. Den Unterschied macht ein separater Notstrom-Ausgang, den viele neuere Balkonspeicher mitbringen. Er hängt nicht am Hausnetz, der Speicher baut dort mit seinem eigenen Wechselrichter eine Inselspannung auf. Geräte, die an dieser Steckdose stecken, laufen weiter.
Zwei Begriffe gehen dabei oft durcheinander:
- Notstrom bedeutet eine oder wenige Steckdosen direkt am Gerät. Das ist die übliche Lösung am Balkonkraftwerk.
- Ersatzstrom versorgt ausgewählte Stromkreise oder das ganze Haus. Dafür braucht es eine Umschaltung mit Netztrennung im Zählerschrank, die ein Elektrofachbetrieb installiert. Der Ratgeber Wie funktioniert ein Hybrid-Wechselrichter erklärt beide Varianten bei Hausanlagen.
Wie viel ein Notstrom-Ausgang liefert, unterscheidet sich von Gerät zu Gerät. Einige Beispiele aus unseren Rezensionen, jeweils nach Herstellerangabe:
| Gerät | Notstrom-Ausgang | Umschaltzeit | Module direkt am Speicher |
|---|---|---|---|
| Anker SOLIX Solarbank 2 E1600 AC | 1.000 W (1.200 W mit Zusatzakku) | keine Angabe | ja, 2 Eingänge |
| Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro | 1.200 W | keine Angabe | ja, 4 Eingänge |
| Zendure SolarFlow 1600 AC+ | 1.400 VA | keine Angabe | nein, AC-gekoppelt |
| Zendure SolarFlow 2400 AC | 2.400 W, kurz 3.600 W | rund 15 ms | nein, AC-gekoppelt |
| Anker SOLIX Solarbank 4 E5000 Pro | 2.500 W | 10 ms | ja, 4 Eingänge |
Die Umschaltzeit entscheidet, ob empfindliche Geräte den Ausfall bemerken. Unter etwa 10 bis 20 Millisekunden laufen Computer und Router meist ohne Neustart weiter, das entspricht einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV). Wer den Notstrom-Ausgang ohnehin dauerhaft belegt, etwa mit dem Kühlschrank, merkt beim Umschalten gar nichts. Wer erst im Ernstfall umsteckt, braucht dagegen eine Taschenlampe und etwas Kabel.
Die Leistungsgrenze zeigt sich bei allem, was heizt: Wasserkocher, Föhn, Herdplatte und Heizlüfter ziehen 1.800 bis 2.000 Watt und sprengen die meisten Notstrom-Ausgänge. Für Kühlschrank, Router, Licht und Ladegeräte reichen 1.000 Watt dagegen gut.
Lädt die Sonne den Speicher während des Ausfalls nach?
Das hängt daran, wo die Module angeschlossen sind.
- Module direkt am Speicher: Der Speicher hat dann einen eigenen Laderegler (MPPT), der unabhängig vom Netz arbeitet. Ob er im Inselbetrieb weiterlädt, legt der Hersteller fest, bei Geräten mit Notstrom-Ausgang ist das üblich. Im Zweifel steht es im Handbuch.
- Module an einem eigenen Mikrowechselrichter: Der Mikrowechselrichter schaltet mit dem Netz ab. Ein AC-gekoppelter Speicher bekommt dann keinen Solarstrom mehr und entlädt sich nur noch.
Viel Nachschub ist ohnehin nur im Sommer zu erwarten. Nach unserer PVGIS-Berechnung für Kassel liefert ein Set mit 960 Wattpeak, nach Süden aufgeständert, im Juni rund 4,2 Kilowattstunden am Tag, im Januar rund 1,0 und im Dezember rund 0,8. An jedem zweiten Dezembertag kommen weniger als 0,5 Kilowattstunden zusammen. Ein Ausfall im Winter muss also weitgehend aus der Ladung leben, die der Speicher schon hat. Mehr zu den Winterwerten steht im Ratgeber Balkonkraftwerk-Speicher im Winter.
Wie lange ein Speicher im Notbetrieb reicht
Für die Überbrückung zählt der Tagesbedarf der Geräte, die wirklich laufen müssen. Typische Größenordnungen:
| Gerät | Energie am Tag |
|---|---|
| Kühlschrank (heutiges Gerät) | 0,3 bis 0,8 kWh |
| Gefriertruhe | 0,4 bis 0,8 kWh |
| Router und Modem (10 bis 20 W) | 0,25 bis 0,5 kWh |
| LED-Licht, drei Lampen für fünf Stunden | rund 0,15 kWh |
| Handys und Laptop laden | 0,1 bis 0,2 kWh |
Die Werte schwanken mit Gerätealter und Nutzung. Den genauen Verbrauch deines Kühlschranks findest du auf dem Energielabel als Jahreswert, geteilt durch 365.
Kühlschrank, Router, Licht und Ladegeräte kommen zusammen auf rund 1 bis 1,5 Kilowattstunden am Tag. Mit Gefriertruhe sind es bis zu 2. Daraus ergibt sich grob:
| nutzbare Kapazität | Überbrückung bei 1 bis 1,5 kWh am Tag |
|---|---|
| 1,6 kWh | etwa ein Tag |
| 2,7 kWh | knapp zwei Tage |
| 5 kWh | drei bis vier Tage |
Zwei Dinge verkürzen diese Zeit. Erstens verbraucht der Speicher im Inselbetrieb selbst Strom, je nach Gerät rund 10 bis 20 Watt, das sind 0,25 bis 0,5 Kilowattstunden am Tag. Zweitens halten viele Speicher eine Reserve zurück, die sich nicht entladen lässt. Umgekehrt verlängert Sonnenschein die Überbrückung, im Sommer oft auf unbestimmte Zeit.
Wer Wert auf Notstrom legt, stellt in der App eine Notstrom-Reserve ein, sofern der Speicher das anbietet. Der Speicher entlädt sich dann im Alltag nur bis zu diesem Restwert und hat im Ernstfall etwas übrig. Das kostet etwas Eigenverbrauch, weil die Reserve nachts nicht genutzt wird. Wie Entladegrenze und Reserve mit den übrigen Einstellungen zusammenspielen, zeigt der Ratgeber Balkonkraftwerk mit Speicher richtig einstellen.
Die Powerstation als Notstrom-Alternative
Eine Powerstation ist ein Akku mit eigenem Wechselrichter und Steckdosen, die völlig unabhängig vom Hausnetz arbeitet. Für den Stromausfall hat sie drei Stärken: Sie ist ab Werk inselfähig, sie steht dort, wo sie gebraucht wird, und manche Modelle schalten wie eine USV um. Die Anker SOLIX C1000 Gen 2 nennt dafür unter 10 Millisekunden.
Nachladen lässt sie sich über ihren Solareingang. Im Ernstfall geht das auch mit einem Modul des Balkonkraftwerks, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Leerlaufspannung und Kurzschlussstrom des Moduls liegen im Rahmen, den das Datenblatt der Powerstation für den Solareingang nennt; der Stecker passt oder es gibt einen Adapter; und du trennst die Verbindung zum Wechselrichter nur spannungsfrei, also abends oder mit abgedecktem Modul. Steckverbinder, die unter Last gezogen werden, können einen Lichtbogen bilden.
Was du auf keinen Fall tun solltest
- Den Netzschutz umgehen. Firmware-Tricks oder Einstellungen, die einen Wechselrichter ohne Netz weiterlaufen lassen, gefährden Menschen an der Leitung und verstoßen gegen die Anschlussregeln.
- Ein Kabel mit Stecker an beiden Enden benutzen. Wer eine Powerstation oder einen Generator über eine Wandsteckdose ins Hausnetz speisen will, legt Netzspannung an offene Steckerstifte und speist ohne Trennung in die ausgefallene Leitung zurück. Das ist lebensgefährlich.
- Hausstromkreise selbst umklemmen. Eine Ersatzstrom-Versorgung einzelner Stromkreise braucht eine allpolige Netztrennung im Zählerschrank. Das ist Arbeit für einen Elektrofachbetrieb.
- Die Heizung selbst auf Stecker umbauen. Die Umwälzpumpe einer Gas- oder Ölheizung ist oft fest angeschlossen. Wer sie im Notfall über eine Notstrom-Steckdose betreiben will, lässt den Anschluss vorher von einer Fachkraft umrüsten.
Wie oft fällt der Strom überhaupt aus?
Selten und meist kurz. Nach den Zahlen der Bundesnetzagentur war jeder Letztverbraucher in Deutschland 2024 im Schnitt 11,7 Minuten ohne Strom, 2023 waren es 12,8 Minuten. Die Netzbetreiber meldeten dafür rund 165.000 Unterbrechungen in Nieder- und Mittelspannung, die meisten nach kurzer Zeit behoben.
Lange Ausfälle kommen trotzdem vor. Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde waren im Januar 2026 rund 45.000 Haushalte und über 2.200 Betriebe im Südwesten der Stadt bis zu viereinhalb Tage ohne Strom, mitten im Winter. Genau das ist der Fall, für den ein Notstrom-Ausgang zählt, und zugleich der Fall, in dem die Module am wenigsten nachliefern.
Fazit
Ein Balkonkraftwerk liefert bei Stromausfall keinen Strom, und das ist so gewollt. Der Netz- und Anlagenschutz trennt den Wechselrichter in Sekundenbruchteilen vom Hausnetz, damit die abgeschaltete Leitung spannungsfrei bleibt. Nach dem Ausfall startet er von selbst wieder.
Wer für den Ernstfall vorsorgen will, braucht einen Speicher mit Notstrom-Ausgang oder eine Powerstation. Sinnvoll ist ein Gerät, an dem die Module direkt hängen, damit es bei Sonne nachladen kann, dazu eine eingestellte Reserve und die wichtigsten Geräte, allen voran der Kühlschrank, dauerhaft an der Notstrom-Steckdose. Wie groß der Speicher dafür sein sollte, zeigt der Ratgeber Balkonkraftwerk-Speicher: Wie groß?.
Häufige Fragen
Funktioniert ein Balkonkraftwerk bei Stromausfall?
Nein. Sobald das öffentliche Netz ausfällt, trennt der Netz- und Anlagenschutz den Wechselrichter vom Hausnetz, auch bei voller Sonne. Alle Steckdosen im Haus bleiben stromlos. Weiter versorgt werden nur Geräte, die an einem separaten Notstrom-Ausgang eines Speichers oder einer Powerstation stecken.
Funktioniert ein Wechselrichter ohne Strom aus dem Netz?
Ein normaler Balkonkraftwerk-Wechselrichter nicht. Er ist netzgeführt, richtet seine Wechselspannung also an Spannung und Frequenz des Netzes aus. Fehlt dieser Taktgeber, darf und kann er nicht einspeisen. Nur Geräte mit eigenem Inselwechselrichter, etwa Speicher mit Notstrom-Ausgang oder Powerstations, erzeugen selbst eine Wechselspannung, und zwar an ihrer eigenen Steckdose.
Kann ich mein Balkonkraftwerk bei Stromausfall als Notstrom nutzen?
Nur mit zusätzlicher Technik. Ein Speicher mit Notstrom-Ausgang oder eine Powerstation versorgt die dort eingesteckten Geräte weiter, typisch 1.000 bis 2.500 Watt. Das Hausnetz selbst bleibt aus, dafür bräuchte es eine Ersatzstrom-Umschaltung mit Netztrennung, die ein Elektrofachbetrieb installiert.
Schaltet sich das Balkonkraftwerk nach dem Stromausfall wieder ein?
Ja, automatisch. Kehrt die Netzspannung zurück, prüft der Wechselrichter einige Zeit, ob Spannung und Frequenz stabil im erlaubten Bereich liegen, und nimmt die Einspeisung danach selbst wieder auf. Du musst nichts tun. Bleibt er dauerhaft aus, lohnt ein Blick auf die Sicherung des Stromkreises und die Fehlermeldung in der App.
Wie lange hält ein Balkonkraftwerk-Speicher bei Stromausfall?
Das hängt an Kapazität und Last. Kühlschrank, Router, etwas Licht und das Laden von Handys brauchen zusammen rund 1 bis 1,5 Kilowattstunden am Tag. Ein Speicher mit 1,6 Kilowattstunden überbrückt damit etwa einen Tag, einer mit 2,7 Kilowattstunden knapp zwei. Der Eigenverbrauch des Geräts im Inselbetrieb und eine eingestellte Reserve verkürzen die Zeit.
Lädt der Speicher während des Stromausfalls über die Module nach?
Nur wenn die Module direkt am Speicher hängen und der Hersteller das Laden im Inselbetrieb vorsieht. Hängen sie an einem eigenen Mikrowechselrichter, schaltet dieser mit dem Netz ab und liefert nichts. Im Winter bringt ein 960-Wp-Set ohnehin nur rund 1 Kilowattstunde am Tag, im Dezember an jedem zweiten Tag weniger als 0,5.
Darf ich eine Powerstation über die Steckdose ins Hausnetz einspeisen?
Nein, das ist lebensgefährlich. Ein Kabel mit Stecker an beiden Enden legt Spannung an offene Steckerstifte und speist ohne Netztrennung in die ausgefallene Leitung zurück, an der vielleicht gerade gearbeitet wird. Geräte gehören an die Steckdose der Powerstation, eine Versorgung von Hausstromkreisen braucht eine fachgerecht installierte Umschaltung.